1. Kriterien für eine Beurteilung emanzipatorischer Architektur
Architektur und Emanzipation erscheinen
zunächst wie Widersprüche. Denn sind architektonische Bauten
nicht immer in Stein gegossene gesellschaftliche Verhältnisse? Wenn
Marx „die herrschenden Verhältnisse zum Tanzen bringen" wollte, wenn
die Spontis den „Strand" „unter dem Pflaster" suchten und Steine weniger
zum Bauen als zum Einreißen oder „Entglasen" von Fensterscheiben
benutzten, wenn eine linke New Wave-Band, die „genialen Dilettanten" der
„Einstürzenden Neubauten", „Strategien gegen Architektur" (Albumtitel)
entwickeln und linke Zirkulare die Sprengung von Häusern bejubeln,
dann doch immer, weil etwas in Bewegung kommen soll und Architektur der
scheinbar offensichtliche Gegensatz dazu ist. Ein Haus, ein Gebäude,
ist statisch und - ist es einmal gebaut - auch relativ unabhängig
von gesellschaftlichen Bedingungen. Natürlich ist die Architektur
eines Hauses immer abhängig von gesellschaftlichen Verhältnissen,
Ergebnis einer bestimmten Zeit, von bestimmten Entscheidungen und Gesetzen,
von Architekten, Geldgebern, Baubehörden, vorherrschendem Geschmack
usw. (s. dazu: Gerkan). Aber ist das Haus einmal erstellt, ist es gewissermaßen
resistent gegenüber der Gesellschaft. In Stein gehauene Bewegungs-
und Interessenlosigkeit. Man zeige mir ein faschistisches Haus. Ich behaupte,
das gibt es nicht. Es gibt faschistische Architektur. Oh ja. Aber in wie
vielen (z. B.) deutschen Häusern haben schon Kommunisten, Sozialdemokraten,
Nazis, Christen, Juden, Atheisten oder Vorsitzende des Hundesportvereins
gewohnt, ohne jegliche Auswirkung auf das Haus. Dem Haus ist es auch egal,
ob es „arisiert" wird. Das Haus sieht nichts, merkt nichts, hört nichts...
das Haus ist (ohne die in ihm lebenden Menschen) tote Materie. Was soll
an einem Haus also emanzipativ sein?
Wie wir aber gesehen haben, gibt
es doch eine Menge Fragen, die man an Architektur stellen kann. Wohnen
muß man wie Essen und Trinken auch vor dem Ausbruch der Weltrevolution.
Es kann also nicht grundsätzlich zurückgewiesen werden, daß
irgendwie auch im Kapitalismus gebaut und gewohnt werden muß. Die
Frage ist dann, wie.
Wenn sich der Architekt Robert
Van't Hoff der niederländischen De Stijl-Gruppe weigerte, im Kapitalismus
mehr als ein Haus zu bauen und damit in die Architekturgeschichte einging,
so ist das ehrenwert und spricht für Konsequenz. Aber trägt etwa
Bruno Taut Schuld am Fortdauern des Kapitalismus, wenn er 10.000 Menschen
ein vernünftiges Dach über dem Kopf ermöglicht hat?
Da eine sozialistische Revolution bei weitem nicht in Sicht ist, müssen wir uns heute mehr denn je und wohl oder übel mit der Frage beschäftigen, was eine fortschrittliche Architektur innerhalb des Kapitalismus sein könnte.
Dazu muß man versuchen, Kriterien zu entwickeln, die der Architektur abverlangt, nicht nur sozial, sondern auch emanzipativ zu sein.
Das wiederum ist abhängig
von dem, was man unter Emanzipation versteht, vom Standpunkt und der Verortung
also.
Aus einem sozialistisch-libertären
Blickwinkel wären entscheidende Fragen:
Die Produktions- und Besitzverhältnisse
(ökonomische
Komponente)
Wie sind die Produktionsverhältnisse der Architektur, also wie und unter welchen Umständen wird produziert und wem kommt es zu Gute? Es geht also nicht ausschließlich um die BewohnerInnen der Häuser, sondern auch um die Lebens- und Arbeitsbedingungen derer, die sie bauen. Wenn heute (insbesondere) ausländische Arbeitsmigranten unter zum Teil haarsträubenden Lebensbedingungen mit (wenn überhaupt) Arbeitsverträgen, die das Papier nicht wert sind und oftmals ohne ihre mageren Löhne überhaupt zu sehen, das Geschehen auf deutschen Baustellen bestimmen, so ist aus linker Sicht entscheidend, diese in ihren Kämpfen um bessere Lebensbedingungen zu unterstützen (siehe dazu: „Bau - Boom - Basta!", in: wildcat Nr. 64/65, März1995, S. 7-13).
Auch muß untersucht werden, wer Entscheidungen trifft und welchen Interessen dem zu Grunde liegen: Architekten, Baubehörden, Bauherren usw. (s. Gerkan: Die Verantwortung des Architekten, S. 9-22 und S. 184-192).
Eine andere wichtige Frage ist
die nach Besitzverhältnissen (Häuser und Grundstücke,
Bodenspekulation) und natürlich nach den Mieten. Solange es
diese gibt, solange ist eine der entscheidenden Fragen die nach der
Bezahlbarkeit
des Wohnraums. Und umso geringer die Mieten, umso weniger müssen
sich die MieterInnen in der kapitalistischen Lohnarbeit verdingen.
Wohnraum: Für alle?
(antirassistische Komponente)
Eine linke Position zur Wohnungsfrage
kann immer nur bedeuten, daß alle Anspruch auf einen ausreichenden
und akzeptablen Wohnraum haben. In unserer Gesellschaft gibt es vor allem
zwei Gruppen, für die dies nicht zutrifft. Zum einen die Obdachlosen
(sofern nicht freiwillig „auf Platte"), zum anderen die Flüchtlinge.
AsylbewerberInnen werden in Container, auf Wohnschiffe und in Lager gepfercht,
die meist weitab jeglicher Wohngebiete liegen. Diese unerträglichen
Bedingungen müssen an erster Stelle stehen, wenn es um „emanzipative
Architektur" geht. Solange diese Menschen keinen wie auch immer gearteten
„normalen" Wohnraum haben, verkommt jede Diskussion über Wohnqualität
und Architektur zur Farce. Die Lager müssen geschlossen werden und
die Flüchtlinge die Möglichkeit haben, in Wohnungen zu leben,
die den für diese Gesellschaft mindestens üblichen Standards
entsprechen, da „jeder der Vielen ein Recht auf Leben und Güter hat"
(Mies van der Rohe, a. a. O.).
Die Wohnqualität (subjektive
Komponente)
Für die BewohnerInnen ist
sicherlich die Wohnqualität entscheidend. Hier haben verschiedene
Menschen sicherlich unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche.
Ich distanziere mich nachdrücklich von jeder Idee, die versucht, ein
„Einheitshaus" zu entwerfen. Wenn Jan Gympel etwa in Zusammenhang mit dem
demokratischen US-Präsident Thomas Jefferson, der 1769 ein eigenes,
eher schlichtes Haus entworfen hat, schreibt, daß „(in) einer Gesellschaft,
die auf Gleichheit aller beruht, (...) Architektur nicht überschwenglich
und diffus (sein dürfe), sondern (...) einfach und verständlich
sein (muß)" (Gympel, S. 66), so spricht dies für eine recht
überhebliche Sicht auf „die Masse" und eine unerträgliche „Gleichmacherei".
Es muß Wohnungen geben für Singles, für Familien, für
Lebens- und Wohngemeinschaften, für Musiker, für Handwerker (Keller),
für Großfamilien, für Gartenfreunde usw. usf. Eine Vielzahl
verschiedener Bedürfnisse und Anforderungen stellen sich. Für
den einen ist eine Badewanne unverzichtbar, den anderen genügt eine
Dusche, sie sehnen sich aber nach einem Balkon. Jeder Versuch, die Gleichheit
der Menschen (im Sinne einer Gleichberechtigung) zu einer Verneinung
der Individualität zu überführen, ist politisch reaktionär.
Architektonisch könnte das heißen: Ziel muß „Einheit im
Ganzen, Vielfalt in den Teilen" (Gerkan, S. 78) sein.
Auswirkungen des Wohnens (soziale
Komponente)
Dann die Frage nach den Auswirkungen des Wohnens auf das soziale und politische Leben. In einer Zeit, die auf der massenhaften Individualisierung beruht, in der soziale Zusammenhänge an Bedeutung verlieren, wäre es wichtig, die Architektur derart zu gestalten, daß Kommunikation und Vernetzung naheliegen und architektonisch unterstützt werden.
Ein gutes Beispiel dafür wäre das Studentenwohnheim in der Vorstraße in Bremen. Sie ist für Wohngemeinschaften gebaut worden und erfüllt diesen Zweck hervorragend. Geringe Mieten, aber ausreichend große Zimmer, große Fenster, große Gemeinschaftsküchen mit anliegenden Gemeinschaftsräumen, Fahrradkeller, Wasch(maschinen)raum und jede Wohnung hat entweder einen großen Balkon oder (im Erdgeschoß) eine Terrasse, die nicht, wie meistens üblich, nach hinten gerichtet ist, sondern in einen gemeinsamen Innenhof mündet. Dies hat zur Folge, daß im Sommer eine rege Kommunikation aufflammen kann: man sieht sich kommen und gehen, man fragt beim Frühstück bei den Nachbarn nach der fehlenden Butter usw.
Einziger Kritikpunkt ist auch
hier die Lage und Infrastruktur. Das Wohnheim ist zwar in unmittelbarer
Nähe zur Universität, aber fern der Stadt in einem für StudentInnen
langweiligen Wohnviertel. Dies kann freilich in diesem Fall nicht dem Architekten
angelastet werden, sondern wäre in Zusammenhang mit der Lage der Universität
zu kritisieren.
Ein lebendiger Stadtteil,
der Kommunikation und Solidarität fördert, muß Ziel
einer emanzipatorischen Architektur sein.
Studentenwohnheim Vorstraße in Bremen
Ein Leben, nicht zwei (anti-ökonomische
Komponente)
Wenn der ehemalige Anarcho-Syndikalist Le Corbusier meinte, die Stadt der Zukunft müßte aus strikter Trennung von Produktions-, Arbeits- und Lebenswelt bestehen, dann zeigt dies nur wie verhangen die damalige Linke in der kapitalistischen Idee von Arbeit war. Die Zergliederung von Arbeit und Freizeit, von Leben und Konsum ist aus linker Sicht historisch überholt.
Eine Befreiung vom kapitalistischen Arbeitsbegriff ist das zentrale Kampfterrain gegen das kapitalistische Weltsystem. Die schöpferische Tätigkeit muß ausgebaut, die kapitalistische Lohnarbeit so weit wie möglich boykottiert werden.
Dazu gehört die Rückführung der Tätigkeit in das Leben und damit in die Nähe des Wohnens. Werkstätten, kleine Läden, Proberäume, Aufnahmestudios, Internet-Cafes, Bibliotheken, Büros, Bühnen und Theater, Kinos und Video-Werkstätten, Obst- und Gemüsegärten, Gartenhäuser und Parks und alle anderen Bereiche (selbstorganisierter) Produktion, Reproduktion und Kultur gehören zurück in die Wohnviertel.
Die architektonische Perversion
dessen sind die Einkaufsmalls der Postmoderne, wo Arbeit und Freizeit,
Konsum und Leben, Produktion und Kultur tatsächlich aufeinandertreffen,
ohne jeglichen Anspruch auf eine Veränderung der Verhältnisse.
Hier wird vielmehr das Leben radikaler denn je in das kapitalistische Warenverhältnis
eingezwängt, mit allen widerlichen Folgen wie Konsumzwang, Überwachung,
Dienstleistungsgesellschaft, Kommerzialisierung, Ökonomisierung des
Sozialen usw.
Die Postmoderne muß abgerissen
werden.
Gegen Kontrolle (libertäre
Komponente)
Die Kontrolle des öffentlichen Raumes ist eines der aktuellen Ziele dieser Gesellschaft. Jede Regung, die entweder nicht kapitalistisch verwertbar ist oder die öffentliche Ordnung stört, soll unterbunden werden. Die Offenheit der hier eingeforderten Architektur muß dies mindestens erschweren. Wenn im modernen Siedlungsbau große freie Wiesen zwischen den Blocks angelegt wurden, so war dies eine nette Idee, die gescheitert ist. Außer zum Fußballspielen oder Wäscheaufhängen werden diese nicht genutzt, was seinen Grund wohl auch in der Einsichtbarkeit dieser Flächen findet. Wer traut sich schon, einen Grill aufzustellen oder gar mit der Liebsten zu knutschen, wenn der ganze Wohnblock dabei zuschauen kann. Eine gewisse Unübersichtlichkeit muß also gefördert werden. Gegen das laue Leben und die Angst, sich beim schönen Leben erwischen zu lassen.
(In diesem Sinne sind Forderungen
etwa der Frauenbewegung nach beleuchteten, übersichtlichen Terrains
als Schutz vor Vergewaltigungen ein zweischneidiges Schwert; das „Wir erobern
uns die Nacht zurück" bzw. „Ihr habt die Macht, wir haben die Nacht"
war hier weitaus subversiver und progressiver)
Infrastruktur (soziale
Komponente II)
Ein lebendiger Stadtteil und eine
hohe Wohnqualität hängen auch entscheidend von der vorhandenen
Infrastruktur ab. So schön die Häuser der Weißenhofsiedlung
oder von Tauts Onkel Toms Hütte auch sind - ohne Auto wäre es
für mich unvorstellbar in einem Stadtteil zu leben, dem beinahe jegliche
Infrastruktur fehlt. Nicht nur Geschäfte und Dienstleistungen sind
rar gesäht (der „Friseurkunst"-Salon in Onkel Toms Hütte regt
eher zum Schmunzeln an), es fehlt auch an sozialen Strukturen. Aber
welcher Architekt interessiert sich schon für Waschsalons, Mieterbüros,
Kindergärten und - läden, Spielplätze, Parks, Arbeitslosencafés,
Versammlungs- und Veranstaltungsorte, Jugendzentren, die an den vielfältigen
Bedürfnissen der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen ausgerichtet
und von diesen selbst gestaltet und organisiert werden müssen usw.?
Verhältnis zur Natur
(ökologische Komponente)
In Zeiten massiver ökologischer
Zerstörung gewinnt die ökologische Komponente eine noch größere
Dringlichkeit als zu Bauhaus-Zeiten. Heute stellt sich auch die Frage nach
den Baumaterialien, nach der Art der Energiegewinnung und
der Vermeidung unnötiger Energieverluste sowie nach der Bebauung
und dem Umfeld des Hauses. Die Natur muß in die Städte
finden und - wie es Bruno Taut vorbildlich umgesetzt hat - die Stadt in
die Natur. Warum gibt es eigentlich immer nur langweilige Rasenflächen
und nicht verwilderte Parks, Flußlandschaften, Teiche und Tümpel.
Selbst in einem Kleingarten ist es bei entsprechender Bepflanzung möglich,
eine Vielzahl seltener Flora und Fauna anzuziehen, warum nicht in einer
Siedlung? Weil die Leute immer Cola-Büchsen in die Tümpel werfen?
Erziehung (pädagogische Komponente)
„Aufklärung
ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit"
(Immanuel Kant, 1784)
Nicht nur weil die Leute immer
Cola-Büchsen in Froschteiche werfen kommt der Erziehung weiterhin
eine große Bedeutung zu. Erziehung, auch architektonische Erziehung,
sollte nicht lediglich darin bestehen, Menschen davon zu überzeugen,
Flachdächer schön zu finden. Ziel jeder emanzipatorischen Pädagogik
muß es sein, eigenverantwortliches, soziales und verantwortungsvolles
Verhalten zu fördern und zu entwickeln. Die Architektur kann dabei
helfen, wenn sie die Menschen von vornherein in die Planung mit einbezieht
und so ein Verhältnis des eigenen entwickeln hilft. Umso anonymer
und größer die Wohneinheiten sind, desto mehr geht dieser Bezug
verloren. Man hat das Gefühl, nichts zu melden zu haben und deshalb
gibt es auch kein Verhältnis dazu. Und was sind die vielgeschmähten,
unsere Städte zierenden Graffittis anderes als die vehemente Einforderung,
bei der Fassadengestaltung auch ein Wörtchen mitreden zu wollen?
Demokratie (politische
Komponente)
Wenn die Menschen ihre bebaute Umwelt als Produkt öffentlicher und (basis)demokratischer Diskussions- und Entscheidungsprozesse erfahren und erleben, dann würde sich wohl auch ein neues Gefühl zu Zeit und Raum entwickeln, welches die „transzendentale Obdachlosigkeit" (Georg Lukács, nach: Rooch) überwinden hilft.
Eine bessere Kommunikation zwischen Gesellschaft und Architekten, Baubehörden usw. ist also unerläßlich. So könnten etwa Fragebögen über Bedürfnisse und Wünsche an MieterInnen verteilt und ausgewertet werden. Dann müßten sich die Architekten nicht nur im Falle von Einfamilienhäusern und Villen sondern auch bei Siedlungen schon vor Baubeginn an den späteren BewohnerInnen orientieren. Diskussionsprozesse über Sinn und Unsinn der Bedürfnisse könnten zu spannenden Ereignissen werden. Entwürfe könnten abgestimmt werden und die Architekten müßten nicht nur vor Ausschüssen und Jurys, sondern auch vor der Gesellschaft um sie streiten.
Wem das zu radikal und utopisch
erscheint, wer meint, kein Architekt dieser Welt würde das mit sich
machen lassen, seine Kunst derart abhängig von der Gesellschaft zu
machen, möge zurückblättern auf Seite 18.
Der Kampf um Befreiung
(revolutionäre Komponente)
Die hier geschilderten Ideen und
Ansprüche laufen kapitalistischen Interessen samt und sonders entgegen.
Und so wird nichts werden wie beschrieben, wenn nicht darum gekämpft
wird. Und diese Kämpfe existieren. Auch wenn die Zeit der Hausbesetzungen
(leider) lange vorbei ist, so gab es auch in den 90er Jahren in Deutschland
solche Kämpfe. Und wenn in Hamburg-St. Pauli in den späten 90ern
ein riesiger Konflikt entsteht, weil StadtteilbewohnerInnen, Linke und
KünstlerInnen einen phantasievollen Park anstelle von Bürogebäuden
anlegen wollen, so zeigt dies nur, wie hart diese Frontlinie selbst bei
einem so bescheidenen Projekt verläuft. Wem gehört die Stadt
- diese Frage muß tatsächlich gestellt und der Krieg in den
Städten muß geführt werden. Wer ihn gewinnt, ist in jedem
Detail und in der großen Sache immer offen.
Für den Kommunismus.
2. Stärken und Schwächen des Bauhauses und der architektonischen Moderne
Die Stärken des Bauhauses
lagen in dem Einlassen auf die Verhältnisse, verbunden mit dem Versuch,
sie zu verändern. Wenn das Bauhaus und seine Zeitgenossen anerkannten,
daß Technik und Industrialisierung nicht mehr rückgängig
zu machen seien, wenn sie sich nicht in Nostalgie vergruben, sondern versuchten,
etwas für die Menschen positives daraus zu machen. Die Verbindung
von Technik und Kunst, von Maschinen und Handwerk, war richtig und ist
auch heute richtig, wenn die Technik und die Maschinen das Leben und die
Arbeit erleichtern.
Fortschrittlich auch der Gedanke, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen. Nicht Prunk und Protz, sondern soziale, geistige und lebensbejahende Elemente sollten Träger des Baues sein. Die Natur wurde aller Technikfreundlichkeit zum Trotz nie vergessen, sie war Vorbild und Anregung. Sie gehörte dazu. Betonwüsten sind nicht die Idee und nicht die Schuld des Bauhauses.
Die unbedingte Hervorhebung von Raum, Luft, Licht und Wärme, der „biologischen Grundrechte" des Menschen, waren ein meilenweiter Fortschritt gegenüber den kleinen, nassen und kalten Wohnungen der Jahrhundertwende.
Die Farbigkeit der Häuser
begeistert mich ebenso wie die Ideen einer frei gestalt- und veränderbaren
Architektur, die den Bewohner „großzügig seiner Selbsttätigkeit"
(a. a. O.) überläßt.
Das Bauhaus hat nicht vergessen,
wie wichtig bezahlbarer Wohnraum für die breite Masse ist und ignorierte
auch nicht die Lebens- und Arbeitsverhältnisse derer, die die Häuser
dann bauen und erstellen. Das man Menschen erziehen und weiterbilden wollte,
ist im Sinne der Aufklärung. „Das Bauhaus hat schließlich auch
neue Wege für die Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses geebnet,
die sukzessive Studienreformen an fast allen wichtigen Kunstschulen zur
Folge hatten" (Lang, S. 17).
Die Künstler standen, ganz
im Sinne von William Morris, im Dienste der Gesellschaft. Sie setzten sich
mit dieser auseinander (was freilich auch zu zahlreichen, in dieser Arbeit
nur am Rande erwähnten, politischen Konflikten auch innerhalb des
Bauhauses führte) und machten sich an eine Verbesserung der Gesellschaft.
Die Versuche, mit Hilfe einer neuen Küchenorganisation die Befreiung
der Frau voranzutreiben, waren im positivsten Sinne des Wortes avantgardistisch.
Im Gegensatz zum Deutschen Werkbund
trug das Bauhaus keinen nationalen Charakter. Im Gegenteil: am Bauhaus
arbeiteten Menschen aus aller Welt. Auch dies war ein Grund, warum das
Bauhaus die Nazi-Barbarei nicht überleben konnte.
Der experimentelle Charakter des
Bauhauses war fortschrittlich, weil er nicht behauptete die Weisheit mit
Löffeln gefressen zu haben. Man wollte wenigstens noch etwas wissen
und etwas herausbekommen. Das Zusammentreffen verschiedenster künstlerischer
Disziplinen mit Wissenschaft, Handwerk und Industrie war und ist vorbildlich.
Nur durch das Einbeziehen möglichst vieler gesellschaftlicher Gruppen
und Berufe ist es möglich, die Fehler von Fachidioten zu vermeiden.
Die Architektur muß so vielfältig wie das Leben sein. Kurz:
daß „das Bauhaus immer die Verbindung mit dem gesellschaftlichen
Leben gesucht und auch gefunden hat, bedarf (...) in besonderem Maße
einer Würdigung" (Lang, S. 9).
Das Bauhaus war nie so einseitig wie all das Gerede vom „Bauhaus-Stil" suggerieren möchte. Auch die Frage nach dem Verhältnis von Individualität und Kollektivität war durchaus innerhalb des Hauses umstritten.
So vertrat etwa Kandinsky „in
einer Meisterrats-Sitzung vom 3. Oktober 1922 die Auffassung (...), ‚daß
das Individuelle Träger der Zukunft ist und das Kollektivistische
der Vergangenheit angehört" (nach: Lang, S. 37), während insbesondere
Hannes Meyer die soziale Komponente in den Mittelpunkt seiner Direktorenschaft
legte (s. a. Lang: S. 38/39).
Viele Fragen, die das Bauhaus
berührte, sind auch heute wieder aktuell. Die seit spätestens
den 1990er Jahren herrschende Orientierungslosigkeit treibt viele Menschen
wieder in rückwärtsgewandte Fluchtbewegungen, gegen die die Arts-
& Crafts - Bewegung eine revolutionäre Erscheinung war. Das kann
relativ harmlos geschehen, etwa in Form von Rollenspielen, Mittelalter-Märkten
oder in der „schwarzen" Wave / Gothic - Szene mit ihrem romantischen Pathos,
es kann aber auch ins Reaktionäre kippen, wenn aus Romantik Esoterik
und aus Esoterik Rechtsradikalismus wird (s. Grufties gegen Rechts / Music
for a new society: „Die Geister, die ich rief...." (Ausgabe 2, Juni 2000).
Spätestens dann entsteht dringender Handlungsbedarf. Denn wenn das,
was mal „modern" war, in seinem Kern angegriffen wird, stehen auch
schnell Aufklärung, Demokratie und Humanismus auf dem Spiel, wie man
bereits im Deutschland der 30er Jahre sehen konnte, als das Bauhaus aus
Deutschland vertrieben wurde.
Die Schwächen des Bauhauses
korrespondieren zum Teil mit seinen Stärken. Wenn sich das Bauhaus
auf die Industrialisierung und die neuen technologischen Möglichkeiten
eingelassen hat, so war dies richtig. Doch das Bündnis mit der Industrie
brachte Gefahren mit sich. Das Bauhaus hat sich auf die kapitalistische
Realität eingelassen und ist letztlich in das Fahrwasser der Industrie
geraten. Übersehen wurde, daß die Technik im Kapitalismus eben
nicht den Menschen dient, sondern der Auspressung von Arbeit. Diesen Widerspruch
konnte das Bauhaus, losgelöst von Klassenkämpfen, nicht auflösen,
schon gar nicht im Bündnis mit der Industrie. Das Bauhaus hätte
mehr Verbindung halten sollen zu den politischen und sozialen Kämpfen.
„Die Bauhaus-Meister übersahen die sozialen Aspekte, indem sie ihr
persönliches künstlerisches Schaffen verabsolutierten und sich
außerhalb der Klassenkämpfe zu stellen trachteten, um von außen
her den von ihnen gewünschten Idealzustand herbeizuführen" (Lang,
S. 50). Diese Kritik wurde auch von einem Teil der Bauhäusler vertreten,
konnte sich aber letztlich nicht durchsetzen. Hannes Meyer ging dann mit
einer Gruppe von Studenten in die Sowjetunion.
Allerdings war er vielleicht der
größte Formalist. Die „Anpassung des Menschen an die Architektur"
hatte schon Adolf Bene kritisiert. Gerkan stellte zum Formalismus folgendes
fest: „Nur bei Gegenständen mit eindimensionaler Funktion folgt die
Form der Funktion" (S. 35). Darunter eine Abbildung von drei Hämmern...
Ein Haus sollte aber keine eindimensionale Funktion haben.
Kritikpunkt, damals schon, war
auch die Kälte vieler Bauhaus-Produkte: „Alles ‚ist zu wissenschaftlich,
zu intellektuell gerichtet'" (F. H. Ehmcke, nach: Lang). (....) Die konstruktive
Arbeit verdrängte immer stärker die Emotion". Auf diese Gefahr
verwies u. a. Ernst Kállai, „der unter Hannes Meyer die Bauhaus-Zeitschrift
redigierte: ‚Wenig, was menschlich erfüllt, herzhaft, echt und ganz
ist. Viel zu viel Theorie, Zuspitzung, Abstraktion. Eine Korrektur wäre
dringend nötig...' (E. Kállai: „Zehn Jahre Bauhaus", in: Die
Weltbühne, 21. 1. 1930) Und in der Tat, die einseitige Intellektualisierung,
die mit der Rationalisierung Hand in Hand ging, bedeutete eine Gefahr für
das im Grunde positive Bauhaus-Programm: Der Mensch konnte aus der Kunst,
die für seine Bedürfnisse gedacht war, eliminiert und das Maß
des Menschen durch abstrakte Normen ersetzt werden" (Lang, S. 51).
Letztlich denke ich aber, daß
das Bauhaus am Kapitalismus gescheitert ist:
„Die kapitalistischen Zufluchtsländer
der Exilierten brachten wohl auf Grund privater und lokaler Initiative
Möglichkeiten weiteren Wirkens, aber sie lösten nicht jenen Grundwiderspruch,
an dem Architekten und Formgestalter seit Beginn unseres Jahrhunderts leiden:
Die Ausweitung architektonischer Aufgaben zum Städtebau stößt
auf die kapitalistische Bodenspekulation als unüberwindbares Hindernis,
und die künstlerische Formgestaltung industrieller Produkte findet
ihre Grenze am Profitstreben der Unternehmer. Der zum Dienst an der ganzen
Gesellschaft bereite Künstler bleibt auf eine insulare, nur einen
kaufkräftigen Teil der Gesellschaft erreichende Wirkungsmöglichkeit
beschränkt. Erst auf der Basis sozialistischer Produktionsverhältnisse
kann er seine Ideen im Einklang mit der Gesellschaft und ihren Bedürfnissen
und zu deren Befriedigung verwirklichen. (...) Es ist der Zeitpunkt herangereift,
daß der Künstler in ein harmonisches Verhältnis zur Gesellschaft
tritt, daß die Gesellschaft ihn nicht weiter mit einem jahrhundertelang
geübten Geniekult zweckfreier Produktion ‚schöner Künste'
vom gesellschaftlichen Leben isoliert, sondern ihn als gleichberechtigte
produktive Kraft an- und aufnimmt. Diesen Zeitpunkt sehnten die Meister
des Bauhauses herbei, ihm arbeiteten sie entgegen. Die wie ein utopischer
Vorgriff auf sozialistische Verhältnisse wirkenden Ideen des Bauhauses
erweisen im Sozialismus ihre künstlerische Fruchtbarkeit und verwirklichen
sich mit seiner Hilfe", schrieb Diether Schmidt (S. 8) und meinte damit
den „real-existierenden Sozialismus" in der DDR. Den meine ich nicht.
3. Ist die Moderne gescheitert?
Wer sich einmal die Neubebauung des Potsdamer Platzes in Berlin angeschaut hat, könnte eher auf die Frage kommen, ob die Postmoderne gescheitert ist. Die Architektur der Postmoderne stellt nicht einmal mehr die Fragen, die sich die Moderne gestellt hat und die Fragen waren mit das beste am Bauhaus. Und viele Fragen bleiben offen. Was ist zweckmäßig? Nehmen wir ein Bücherregal. Ist es offen, so ist es zweckmäßig, weil die Bücher sichtbar sind und leicht herausgeholt werden können, ist es geschlossen, ist es staubfrei. Ist „Gemütlichkeit" zweckmäßig, muß eine Verzierung unzweckmäßig / überflüssig sein? Ist Kerzenlicht unzweckmäßig, ein Dimmer aber nicht? Vielleicht hat die Moderne solche Fragen zu einseitig beantwortet.
Gleiches gilt für das Stichwort
Transparenz. Natürlich ist es ein schöner Gedanke, öffentliche
Gebäude mit Glasfassaden zu versehen, um sie einsichtig, transparent
zu machen und damit den demokratischen Gedanken zu untermauern. Aber vielleicht
schüchtert so ein Gebäude die Bevölkerung mehr ein als die
dort arbeitenden BeamtInnen. Das, was in ihren Akten steht oder was sie
in Computer tippen, ist auf diese Art und Weise ohnehin nicht einsichtig.
Vielleicht würde ein eher verwinkeltes Arbeitsamt subversives Verhalten
der Betroffenen eher fördern als ein „transparentes". Die Moderne
ist überall da gescheitert, wo aus Zweckmäßigkeit Funktionalismus
aus Gleichheit Einfältigkeit, aus Rationalismus Monotonie und aus
Transparenz Kontrollierbarkeit geworden ist. Trotzdem war die Bauhaus-Idee
eine gute. Ein Labor wie das Bauhaus, welches KünstlerInnen, Wissenschaft
und Technik mit der Gesellschaft zusammenbringt, welches daran arbeitet,
Architektur im Sinne der Menschen zu bauen, wäre heute dringender
denn je. Vielleicht sollte sich eine solche Einrichtung ähnlich der
Frankfurter Schule einen Mäzen suchen, um unabhängig von der
Industrie und der kapitalistischen Gesellschaft an einer neuen Welt zu
arbeiten. Die Ergebnisse müßten dann in gesellschaftlichen
Kämpfen durchgesetzt werden. Die Architektur der Moderne war eine
Baustelle, und diese Baustelle ist mir allemal lieber, als die selbstgewisse,
keine Fragen mehr kennende Architektur der Postmoderne.
AUSFAHRT
Mietminderung... Kampf gegen Flüchtlingslager
und (Abschiebe)-Knäste... gegen Überwachung des öffentlichen
Raumes... unsoziale Bauprojekte sabotieren... Graffittis... Bauplatzbesetzungen...
die richtigen Fragen an die richtigen Leute stellen... Unterschriftenlisten
gegen kapitalistische Großprojekte... Hausbesetzungen... Zäune
einreißen... die Straße zurückerobern...
Verwendete Literatur
Jörg Becker: Krimskrams als Existenzbeweis. Deep Storage - Sammeln, Speichern, Archivieren in der Kunst. Eine Ausstellung im Kulturforum Berlin beschäftigt sich mit der Neigung, Dinge anzuhäufen. (in: junge welt, 5. Dez. 1997, Nr. 283)
Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1971
Ulrich Conrads / Peter Neitzke u. a. (Hg.): Die Bauhaus-Debatte 1953. Dokumente einer verdrängten Kontroverse, Vieweg Verlag, Braunschweig / Wiesbaden 1994 (Bauwelt-Fundamente 100)
Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigner Anschauung und authentischen Quellen, Leipzig 1845, hier: Dietz Verlag Berlin, 7. Auflage, DDR 1979
Klaus Farin u.a. (Hrsg. vom Archiv der Jugendkulturen e.V.): Die Gothics: Interviews, Fotografien, Verlag Thomas Tilsner, Bad Tölz, 1999
Jeannine Fiedler / Peter Feierabend (Hg.): Bauhaus, Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 1999
Meinhard von Gerkan: Die Verantwortung des Architekten. Bedingungen für die gebaute Umwelt, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1982
Christian Grohn: Die „Bauhaus-Idee": Entwurf - Weiterführung - Rezeption, Gebr. Mann Verlag, Berlin, 1991 (Neue Bauhausbücher)
Grufties gegen Rechts / Music for a new society: Die Geister, die ich rief... (Ausgabe 2), Juni 2000, Broschüre, Bremen
Jan Gympel (Hg.): Geschichte der Architektur. Von der Antike bis heute, Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 1996
Kristiana Hartmann: trotzdem modern - Die wichtigsten Texte zur Architektur in Deutschland 1919 - 1933 ausgewählt und kommentiert von Kristiana Hartmann, Bauwelt Fundamente 99, herausgegeben von Ulrich Conrads und Peter Neitzke, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig / Wiesbaden, 1994
Herbert Hübner: Die Soziale Utopie des Bauhauses. Ein Beitrag zur Wissenssoziologie in der bildenden Kunst, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster, 1963, Verlag Hoppenstedt & Co. Darmstadt
Lothar Lang: Das Bauhaus 1919 - 1933. Idee und Wirklichkeit, Studienreihe angewandte Kunst - Neuzeit 2, Zentralinstitut für Formgestaltung, Berlin 1965, DDR
Otto Lorenz: Art Nouveau, Artbook International, Berghaus Verlag, Kirchdorf-Inn 1992
Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1851 / 52), hier nach:
Marx / Engels: Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Band I, Dietz Verlag Berlin, DDR 1985
William Morris / Colin Ward: A Factory As It Might Be / The Factory We Never Had, Mushroom Bookshop, Nottingham 1994
Friedrich Naumann: Ausstellungsbriefe, Berlin 1908, hier nach: Schmidt
Eckhard Neumann (Hg.): Bauhaus und Bauhäusler. Bekenntnisse und Erinnerungen, Hallwag Verlag Bern und Stuttgart 1971
Alarich Rooch: Architektur - Tendenzen der 20er Jahre. Abschlussdiskussion (Thesenpapier), Uni Bremen, SS 2000
Diether Schmidt: bauhaus - weimar 1919 bis 1925 dessau 1925 bis 1932 berlin 1932 bis 1933, VEB Verlag der Kunst Dresden 1966, VÖ des Ministeriums für Kultur der Deutschen Demokratischen Republik
Konrad Wünsche: Bauhaus. Versuche, das Leben zu ordnen, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, Kleine Kulturwissenschaftliche Bibliothek, Band 12, 1989
Zeitschriften:
17° C - Zeitschrift für den Rest, Nr. 11, Sept./Okt./Nov. 1995: „New York, New York. Fragmente einer Sprache der Plattenbauweise", S. 44 - 57
wildcat Nr. 64 / 65, Sisina Berlin, März 1995
wildcat-zirkular Nr. 13, Hamburg,
März 1995
Sonstiges:
Bremer Anzeiger v. 26. August 2000, S. 6
Sigill Nr. 17, Dresden, Herbst 1998, 5. Jahrgang
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