Kersten

BAUHAUS
 

Emanzipatorische Architektur oder „künstlerischer Technizismus"?

Achtung: Diese Hausarbeit ist extrem lang! Auch als Datei war sie zu groß für den Piranho-Server. Daher habe ich sie in 3 Teile geteilt. Es folgt das Inhaltsverzeichnis der gesamten Arbeit, die roten Ziffern geben an, wo die Teile anfangen. Jeweils am Ende der Dateien (also z. B. hier ganz unten) könnt Ihr dann wählen, ob Ihr weiterlesen wollt oder zurück zum Menü. Es folgt Teil 1 von 3.

P. S.: Im Original war diese Hausarbeit reichlich bebildert, was man z. T. noch an Bildunterschriften (ohne Bilder...) erkennen kann. Wenn ich irgendwann mal Zeit und Lust auf Scan-Arbeiten haben sollte, werde ich diese hier noch einfügen. Kann aber dauern...

1
Inhalt

EINFAHRT

Less is more oder: Die „totale Zimmeraufräumung"

I. Ist die Moderne gescheitert ? (Prolog)

Einstürzende Neubauten

II. Die Architektur der Moderne

1. Vorgeschichte der architektonischen Moderne:

1.1. Modernisierungsprozesse und Industrialisierung

1.2. ArbeiterInnenbewegung

1.3. Arts & Crafts / Kunstgewerbe-Bewegung und L'Art Nouveau (Jugendstil)

1.4. Der Deutsche Werkbund

1.5. Der Erste Weltkrieg

2

2. Anspruch der Moderne am Beispiel BAUHAUS

2.1. Nur 14 Jahre lang: eine Bauhaus - Geschichte

2.2. Die Bauhaus - Idee

2.3. Bauhaus-Architektur

2.4. Linke Kritik am Bauhaus

3. Moderner Siedlungsbau der 20er Jahre (Fotos)

Bruno Taut: Onkel Toms Hütte

(Exkursion, Berlin-Zehlendorf, Oktober 2000)
 

PARKPLATZ

15qm Deutschland

3

III. Ist die Moderne gescheitert?

1. Kriterien für eine Beurteilung emanzipatorischer Architektur

2. Stärken und Schwächen des Bauhauses und der architektonischen Moderne

3. Ist die Moderne gescheitert? (Epilog)

AUSFAHRT

Strategien gegen Architektur

Verwendete Literatur


 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Less is more oder: Die „totale Zimmeraufräumung"

„Sammeln scheint angeboren zu sein. Da hat ein jeder seine eigenen Ordnungsprinzipien, seine Vorlieben, was wert ist, aufbewahrt zu werden. Bei vermeintlich größter Unordnung ist da ein Organisieren der Dinge im Spiel, ein Zusammenhang von Vertrautem, Disparatem, das seine Gestaltungskategorien zumindest im Sammler selbst besitzt, auch wenn es jedem anderen uneinsichtig und chaotisch erscheint. (...) Wenn es nicht um Schmetterlinge oder Akten geht, wird das Anhäufen von Dingen paradox und geht beständig mit der Tatsache um, daß Zeit vergangen ist und etwas sich angesammelt hat, das man nicht verloren geben will - ein Protest gegen das Vergehen der Lebenszeit, die Angst vor dem Verschwinden, oder auch das Bedürfnis nach einem Vorrat, für eine ungewisse Zukunft, einer Grabbeigabe für ägyptische Könige vergleichbar."

(Jörg Becker: „Krimskrams als Existenzbeweis")

Papierstapel, Kleiderberge, Schallplatten, unsortiert und nicht wieder in die zugehörigen Hüllen gesteckt, kleine Notizzettel, halbleere Tabakbeutel, Zeitschriften, Kopien, Schmierzettel, Tagebücher, Fotos und Fototaschen, Stifte, Flyer, Bücher, Staub und Dreck, Medikamentenpackungen, Kassetten, CD's, Schmuck, Stoffe, Taschentücher, ausgeliehene Bücher und Zeitschriften, Briefe, Postkarten... ein riesiges Durcheinander von Gegenständen auf engstem Raum. Die Unordnung in meinem Zimmer, die während der monatelangen Tag- und Nacht-Arbeit an der Broschüre „Die Geister, die ich rief..." (Ausgabe 2, Juni 2000) der Initiative Grufties gegen Rechts / Music for a new society stetig angewachsen ist, war unerträglich geworden. Praktisch jeder Quadratzentimeter meines (nur) 15qm großen Zimmers war zwischen 20 und 50 cm hoch mit Kram bedeckt, so daß man kaum noch laufen, geweige denn irgendetwas finden konnte. Insbesondere die gigantische Ansammlung von rechtsextremem Quellen-Material aus unserem Archiv im Kulturzentrum Schlachthof, die ich angesammelt hatte, um sie auszuwerten und in Artikel zu verarbeiten, machte mich wahnsinnig: rechtsextreme Zeitschriften, Flugblätter und Kopien von Artikeln, dazwischen Briefe und Korrespondenzen mit am Thema arbeitenden GenossInnen aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland, zum Teil noch nicht beantwortet, zum Teil für die Schreibarbeit benötigt, und schließlich stapelweise Tonträger rechtsextremer Musikprojekte, die noch darauf warteten, durchgehört zu werden. Unbedarfte BesucherInnen hätten fast den Eindruck bekommen können, sie hätten das Zimmer eines Neonazis betreten.

Neben dem steigenden Unbehagen über diesen Zustand wuchs allerdings auch ein weiterer Verdacht in mir: daß sich in meinem Zimmer auch unabhängig von dem Archiv-Material endlos viele Gegenstände befinden, die dort längst nichts (mehr) zu suchen haben, weil ich sie weder benötige noch behalten will.

Die an die Fertigstellung der Broschüre anschließende, mehrere Monate andauernde und geradezu fanatisch betriebene „totale Zimmeraufräumung" (auch sprachlich schlägt hier die intensive, vielleicht auch allzu exzessive Beschäftigung mit rechten Ideologien durch...) hatte verschiedene Gründe: