„Your race and nation is capitalist creation / Mass murder
sheep are now Kings Road nazi chic"
(Crisis - „White Youth", 1978)
„Wer ernsthaft glaubt, daß die weiße europäische ‚Rasse' und Kultur die beste ist, ist einfach krankhaft dumm und christlich programmiert." (Patrick O' Kill, ex- Death In June, heute Mother Destruction in Zillo 4 / 96)
„To fail is human, to fall is human - do not weep" (David
Tibet in „Daedalus Rising", Death In June 1992)
Es gibt kaum eine andere Band, deren Veröffentlichungen derart kontrovers aufgenommen worden sind wie die von Death In June. Dies liegt wohl daran, daß ihre Texte häufig nicht eindeutig interpretierbar sind, aber auch daran, daß sie sich oft geschickt um Faschismus-Vorwürfe herumgeredet haben, etwa, indem sie den Spieß herumdrehten und ihren Kritikern selbst Indifferenz oder faschistoides Gedankengut unterstellten.
Man kann Death In June vieles unterstellen, nicht jedoch eindimensionale
Plattheit.
Als Zugangsmöglichkeiten, dieses Projekt zu begreifen, bieten sich
verschiedene Varianten an:
I. The Brown Book (Die Antifa-Variante)
Der Bandname bezieht sich auf die sog. „Nacht der langen Messer", die
Ausschaltung der unliebsam gewordenen SA (Sturmabteilung) durch
das Nazi-Regime im Juni 1934. Die ersten beiden Death In June-Veröffentlichungen
tragen die Katalog-Nummern SA 29 6 34 und SA 30 6 34. Das
Bandlogo zeigt einen leicht abgeänderten SS-Totenkopf und die
Zahl 6 für Juni. Bandleader Douglas Pearce zeigt eine Vorliebe für
Ernst Röhm (SA), wenn er auf Mailorderlisten den Namen „D. Röhm"
benutzt. Auf der Live-Platte „Night And Fog" ist der ehemalige SA-Stabschef
Ernst Röhm abgebildet. Ihre Platten tragen Titel wie „Brown
Book" oder „Östenbräun". Sie vertonten das „Horst-Wessel-Lied"
und Songtitel wie „Rose Clouds Of Holocaust" bedürfen keines
weiteren Kommentares (usw. usf.).
Solch ein Analyseverfahren, eine unvermittelte Abstempelung als Faschos,
macht es Fans leicht, dagegenzuhalten.
II. The World That Summer (Die zweifelnde Variante)
1. Hat die Antifa immer Recht?
Im Zusammenhang mit der „Brown Book"-Veröffentlichung zeigte Douglas Pearce Verständnis dafür, daß eine Neuvertonung des „Horst-Wessel-Liedes", der SA-Hymne schlechthin, in Deutschland nicht gerade auf Gegenliebe stößt:
„Seien wir ehrlich, Deutschland hat in kürzester Zeit fantastische Veränderungen erlebt und natürlich müssen einige Themen vorsichtig angefaßt werden, weil immer noch Menschen herumlaufen, die etwas zu verantworten haben. Viele Ereignisse liegen nicht einmal fünfzig Jahre zurück" (Zillo Mai 1992). Der Name der LP „Brown Book" bezieht sich auf das „Braunbuch" aus der ehemaligen DDR, in dem Nazis aufgelistet waren, die in Westdeutschland wieder hohe Positionen eingenommen hatten. Zum „Horst-Wessel.-Lied" (bei Death In June heißt das u. a. von Ian Read (Fire & Ice) gesungene Stück wie die LP selbst: „Brown Book") sagt Pearce:
„Dies war das einzige Mal, daß ich mich von dem Vorwurf, ein
Faschist zu sein, angegriffen fühlte. Ich wollte eine Falle stellen
für diejenigen, die diesen Vorwurf erhoben. So mischte ich zusätzlich
zum ‚Horst-Wessel'-Lied ein Gespräch aus einem Film bei, in dem ein
SA-Mann einer alten Frau erzählt, daß die Führungsspitze
der SS von Homosexuellen durchsetzt sei. Daß die SA ebenfalls viele
Homosexuelle beheimatete, ist längst bekannt. Ich fand diese Gegensätze
sehr interessant und habe sie kombiniert. Zudem glaube ich, daß dies
eine vernachlässigte und verschwiegene Seite der Geschichte ist"
(Douglas P. in Zillo Mai 1992). Natürlich ist das alles sehr kryptisch,
aber es ist auch nicht so flach, wie die Antifa-Argumentation: Horst-Wessel-Lied,
also „Fascho".
Der Titel der Doppel-LP „The World That Summer" bezieht sich
auf das gleichnamige Buch von Robert Muller, welches die Geschichte eines
Jungen aus einer jüdischen Familie im NS erzählt, der im Jungvolk
organisiert war, einer Organisation, die Kinder auf den Eintritt in die
Hitler-Jugend vorbereitete (!). Aus dieser Perspektive ist er „caught
up in the horror and brutality of the Nazi Youth Movement" (aus dem
Untertitel). Es ist wahrlich eine schräge Geschichte, aber kein den
NS verherrlichendes Buch.
Zum SS-Totenkopf als Bandlogo und den entsprechenden Uniformen, die er bei Auftritten trägt, läßt Douglas Pearce verlauten:
„Diejenigen, die solche Äußerlichkeiten dazu mißbrauchen
wollen, uns als Faschisten zu deklarieren, haben von Death In June einfach
keine Ahnung. Sie suchen nach einer Schublade, in die sie uns stecken können,
und nehmen die, die sich am schnellsten finden läßt" (Douglas
P. in Zillo Mai 1992).
Einfach machen Death In June es den Leuten nicht...
Und überhaupt: Wenn Death In June „Faschos" sind, warum hat dann
ihre Vorgänger-Band Crisis ständig auf Rock against racism-Konzerten
gespielt?
Gute Frage.
2. Crisis (Ein Ausflug)
Die Geschichte von Death In June beginnt in den 70er Jahren. Die späteren Gründungsmitglieder Douglas Pearce und Tony Wakeford engagierten sich in dieser Zeit in linken und sozialistischen Organisationen, der dritte im Bunde, Patrick Leagas (später alias Patrick O' Kill) war „extremely anti-authority, anti-police and anti-establishment and spent a lot of (...) time breaking the law and breaking into government buildings" (Robert). Patrick machte außerdem Experimente mit Tape-Loops und Schlagzeug / Bass in der Band The Runners Of 1984, die ihren Namen auf George Orwells düstere Zukunftsgesellschaft bezog. The Runners Of 1984 „were known for their anti-fascist and anti-apartheid songs" (Robert).
Douglas Pearce und Tony Wakeford lernten sich 1975 bei linksradikalen Treffen und Demonstrationen kennen, sie waren damals Mitglieder verschiedener Trotzkistischer Vereinigungen. Dann kam Punk-Rock auf und die beiden gründeten 1976 Crisis als linksradikale Band. Dazu Douglas Pearce im Barbed Wire-Interview: „Crisis was always a concept which stood for certain things: anti-racism, anti-fascism, anti-sexism... CRISIS is an idea for a socialist concept". 1977 spielen sie den ersten Gig an der Surrey University in Guildford für ROCK AGAINST RACISM, eine Kampagne, die „schwarze" und „weiße" Bands aller Stilrichtungen und Jugendliche verschiedener Subkulturen (u. a. Punk, Reggae, Ska, Wave) gegen das Anwachsen der rassistischen und faschistischen National Front zusammenbrachte. Ein großer Einfluß waren The Clash, wobei diese von Crisis wegen ihrer zunehmenden Kommerzialisierung sozusagen von links kritisiert wurden. Der große Durchbruch war ihnen nicht beschert - sie kamen vielleicht ein kleines bißchen zu spät und versuchten zu einem Zeitpunkt, als die Entwicklung schon in Richtung Differenzierung oder Kommerzialisierung ging, die Fahne der idealistischen Rebellion aufrecht zu erhalten. Mit ihren Labels wurden sie nie glücklich, eigenen Angaben zufolge wurden sie wegen zu starker politscher Ausrichtung mit Samthandschuhen angefaßt. 1978 gab es eine John Peel-Session, immerhin.
1979 erscheint dann die erste Single „No Town Hall (Southwark) // Holocaust / PC 1984".
„No Town Hall" wurde von Tony W. geschrieben. Crisis hatten sich an der Kampagne gegen die Stadthalle beteiligt und die Peckham Action Group bedankte sich mit dem Vorschlag, eine Single herauszubringen.
Es war die Zeit beinahe täglicher Schlachten zwischen der National Front und der Anti-Nazi-League und so war bei Jugendlichen wie Doug, Tony und Patrick ein gewisses Bewußtsein da. Auf der B-Seite heißt es in „Holocaust":
„Remember Belsen, remember Auschwitz / They're trying to say they
didn't exist / Don't let them put this country in chains / Don't let six
million die in vain". PC 1984 handelt von einem rassistischen Bullen.
Geschrieben wurde es eine Nacht nach den heftigen Krawallen zwischen der
National Front und ihren Gegnern in Lewisham 1977. In einem Interview im
Fanzine Search And Destroy (Nr. 5) erklärte Douglas: „We were there
(...) The coppers and the nazis take the same side cause they've got overlapping
membership". Im Song heißt es: „He's on the street, P.C. 1-9-8-4
/ and it's the blacks he's looking for / They ain't heard of race relations
/ down at the police Station".
Doch in der Gruppe gab es jede Menge Querelen und auch politische Twiste:
„In the group were two socialists, one communist, one pacifist and Fraser!"
(Robert: „Misery & Purity"). Und Fraser war ausgerechnet der Sänger,
wobei die Stücke fast ausschließlich von Tony und Doug geschrieben
waren. Die Spannungen innerhalb der Band führten schließlich
dazu, daß Fraser die Band verließ. Er wurde durch Dexter ersetzt.
D. Pearce im Barbed Wire - Interview: „There were a lot of reasons that
added up... tensions in the band, personal conflict, most of the band dislike
each other (...)".
Gleichzeitig gab es ständige Konflikte bei den Auftritten: Schlägereien
im Publikum, einerseits mit Nazis, was die Band unterstützte, aber
eben auch unter Gleichgesinnten. Immer wieder mußten Konzerte unterbrochen
oder abgebrochen werden. Ein Crisis-Konzert endete in einem Riot, der auch
den Bandbus nicht verschonte. Es war eine aufgepeitschte Zeit. Die Gewalt
richtete sich nach innen wie nach außen. Sie spielten auf einem Feriencamp
der Socialist Workers Party und tourten im August 1979 für die Socialist
Youth Party durch Norwegen.
Ca. Ende 1979 zeigen sich Crisis enttäuscht von der Linken, doch es ist schwierig, die dahinterstehenden Gründe und Prozesse nachzuvollziehen. Der englische Death In June-Fan Robert schreibt in seinem Buch „Misery & Purity":
„This disillusionment with the far left is not really talked about
in any depth in any of the CRISIS interviews /articles I have. I don't
know if it ever was (...)". Aussagekräftige öffentliche Äußerungen
zum Thema sind rar gesäht. D. P. erklärte dem Dry Rot-Fanzine
bezüglich der Linken: „But what I wish was that the Left would
see us on their side instead of the enemy. I mean we feel more alienated
at their gigs than ordinary ones. They don't give us any credit, and the
money we get they don't even donate in our name!" sowie „The Left
in general are really weird, they're still scared of punk, and that's why
a lot of progress hasn't been made". Tony wurde Jahre später deutlicher:
„It ended because we were used by political parties, whose very nature,
especially near the top, were full of self-seeking people. The stories
are legend and it is too boring to go into. We got fucked."
Die 12'' „Hymns of Faith", veröffentlicht im Mai 1980, zeichnet sich durch differenziertere Sichtweisen aus. Crisis sind immer noch linksradikal, üben nun aber auch Kritik an anderen linken Strömungen. In „Back in the USSR" kritisieren sie den Staatssozialismus und dessen Anhänger in der Linken: „Back in the USSR, you won't go very far. You say you want to live their way, but I don't think you'd stay". Eine linke Kritik an der UdSSR, an ihren Epigonen in Westeuropa, aber auch Chiffre für Leute, die anders handeln als sie reden.
Auch „Red Brigades", welches sich auf die fatalen Folgen des politischen Terrorismus bezieht, beinhaltet Kritik an anderen Linken. Die Entführung und Ermordung des Aldo Moro in Italien durch die Roten Brigaden, in dessen Folge die staatliche Repression verstärkt und neue Polizei- und Anti-Terrorismus-Gesetze verabschiedet wurden, desillusionierte die gesamte Linke im Italien der späten 70er Jahre. Das Ansehen der radikalen Linken „was smashed to bits, their cause was to be set back years" (Robert). In „Red Brigades" heißt es: „Comrades gone wrong. They feed the fuel of the Capitalist class". Es geht nicht um eine grundsätzliche Ablehnung politischer Gewalt, denn man weiß zu differenzieren: „Political violence I can understand, but people just nutting other people or just punching them for no reason is just dumb" sagt Douglas im Barbed Wire - Interview. Über die R. A. F. in Deutschland sagt er im Search & Destroy - Interview: „We've got a lot of symphathy for the R. A. F. ... We don't approve of people being shot in the head on planes, right? But we don't approve of them being helped to commit suicide by the fuckin' wardens" - Kritik an Gewalt von Linken gegen „Unschuldige" und an staatlichem Terror gleichermaßen. Sie begreifen auch den Mechanismus, der abläuft, wenn ein SS-Nazi wie Hans-Martin Schleyer oder ein widerlicher Machtmensch wie Aldo Moro im Laufe einer Entführung - seiner Macht beraubt und wehrlos - wieder zu einem ganz normalen Menschen wird: „For in death the most cynical capitalist politician becomes Mr. Nice of Italy".Am Ende von „Red Brigades" heißt es dennoch: „I said we understand". Das Stück ist eine hochreflektierte Kritik von links an mißglückten politischen Strategien. Kritisch und solidarisch zugleich - klasse.
„Kanada Kommando" weist thematisch in die Zukunft von Death In
June. Es geht um menschliche Abgründe, konkret darum, wie KZ-Häftlinge
in einer barbarischen Umgebung selbst zu Unmenschen (gemacht) werden: „Wash
in your own piss among the bodies. You steal their clothes. You must survive".
Der Text zeigt, daß sich Tony und Doug nun mit dem Nationalsozialismus
auseinanderzusetzen beginnen: beschreibend, nicht befürwortend oder
menschenverachtend.
Die Zerissenheit innerhalb der Linken kommt für mich am deutlichsten in „Alienation" heraus, einem Song, der bereits Teil der John-Peel-Sessions 1978 war:
„I never made it with the union, they labelled me a Socialist. But
I've got to make it with the union, but I'm no mouthy racist. But I'm not
a union basher, George Wood or Maggie Thatcher. But I hate bureaucrats,
self-seeking doormats".
Auf deutsch: den Gewerkschaften bin ich zu links oder zu radikal, aber
ich weiß, wie wichtig es ist, daß es die Gewerkschaften überhaupt
gibt. Also muß ich mit der Gewerkschaft zusammenarbeiten, aber das
kommt nicht in Frage, weil ich nicht so rassistisch und national denke,
wie dies die Gewerkschaften tun. Ich will die Gewerkschaften aber auch
nicht zerschlagen, ich bin ja kein Kapitalist oder heiße Maggie Thatcher.
Aber wie diese hasse ich Bürokraten...
Enttäuschungen innerhalb der Linken sind verständlich, wohl jede/r, die oder der ein Teil davon war oder ist, kann ein Lied davon singen. Nun sind „sozialistische (Kader-) Arbeiterparteien" wie die, denen Crisis so viel Idealismus widmeten, meiner Meinung und Erfahrung nach nicht gerade die glücklichste Variante linker Politik. Was man aber von sich selbst als links bezeichnenden Menschen erwarten sollte, ist eine (selbst)kritische Aufarbeitung des Erfahrenen. Sämtliche Kritik, die zu Crisis - Zeiten von diesen an Linken geübt wurde, wurde und wird auch innerhalb (verschiedener Strömungen) der Linken selbst geübt: Kritik am Staatssozialismus, an Gewerkschafts- und Parteibonzen, an Intoleranz, Ignoranz und Szene-Getue, an Dogmatismus, an Besserwisserei und an unreflektierter, stumpfer Aggression im Namen einer guten Sache.
Als sie mit Crisis anfingen, war Tony 18, Doug 21 Jahre alt. Jeder Mensch
macht Erfahrungen, zieht Schlüsse, entwickelt sich weiter. Im Falle
von Crisis habe ich den Eindruck, daß hier das Kind mit dem Bade
ausgeschüttet wurde.
3. Anti-Crisis: War amongst the rebels (Linton Kwesi Johnson)
Das schlechte Erfahrungen innerhalb der eigenen Reihen nicht zwangsläufig dazu führen müssen, die Fronten zu wechseln, zeigt ein Zeitgenosse von Crisis, der in Jamaika geborene und in England lebende Dub-Poet Linton Kwesi Johnson. Bereits in einem Frühwerk von 1973, dem Gedicht „Five Nights Of Bleeding", beschreibt er fünf Nächte im Londoner Stadtteil Brixton, in welchen sich die Gewalt innerhalb des Stadtteils nach innen statt nach außen richtet: Prügeleien unter Unterdrückten, a war amongst the rebels.
„...
night number two down at SHEPHERD'S,
right up RAITON ROAD:
it was a night named friday
when everyone was high on brew,
or drew a pound or two worth of kally;
sound coming down NEVILLE KING'S music iron;
the rhythm just bubbling and back firing,
raging and rising, when suddenly the music cut:
steel blade drinking blood in darkness.
It's war amongst the rebels;
madness, madness, war.
...
night number four at a blues dance.
a blues dance:
two rooms packed and the pressure pushing up.
hot. hot heads. ritual of blood in a blues dance.
broke glass,
splintering fire, axes, blades, brain blast;
rebellion rushing down the wrong road,
storm blowing down the wrong tree.
and LEROY bleeds near to death on the fourth night,
in a blues dance,
on a Black rebellious night.
It's war amongst the rebels:
madness, madness, war.
..."
Das Gedicht ist Leroy Harris gewidmet, der bei dem sinnlosen war
amongst the rebels umkam. Linton Kwesi Johnson ist trotz der bitteren
Erfahrung, daß sich Gewalt nicht nur gegen Unterdrücker, sondern
auch innerhalb der eigenen „community" Bahn bricht, ein kritischer, rebellischer,
der Gerechtigkeit verpflichteter Poet geblieben. Man kann Enttäuschungen
analysieren, beschreiben und „Gleichgesinnte" kritisieren, ohne deshalb
rechts zu werden. Das unterscheidet sich positiv von Statements wie: „The
stories are legend and it is too boring to go into. We got fucked"
(Tony W.).
III. But, What Ends When The Symbols Shatter? (Überführungen)
„When life is but dissapointment / And nothing is amusing / The one wild hunt / For loneliness / Is a life without God / Is an end without love / Soulless today / And soulless tomorrow / We struggle for the joy / Oh, we struggle for the joy / That life is haunted by / That life is haunted by / Its memories - its meaninglessness / Yearn to be gathered, cracked and saved / A thought for a lifetime / A thought for a night time / But, what ends when the symbols shatter? / And, who knows what happens to hearts? / But, what ends when the symbols shatter? / And, who knows what happens to hearts?"
(Death In June - But, What Ends When The Symbols Shatter?,
1992)
1. Politischer Umbruch und die Entstehung von Death In June
Nach dem Ende von Crisis stieg Tony Wakeford 1980 noch kurzzeitig bei Patrick Leagas' The Runners Of 1984 ein, bevor die beiden zusammen mit Douglas Pearce 1981 Death In June ins Leben riefen.
Patricks Einfluß auf die Richtung, die Death In June nahmen, war
viel größer als häufig angenommen. Er hatte einen starken
militärischen Background. In einem französischen Death In June-Interview
erzählte Patrick später: „Yes, I've always lived with the
army, all my family work in the army. I live in a region where there are
military bases and servicemen everywhere. (...) I know the army is a bad
thing. But as I´ve said to you, it's part of me and my life, I can't
escape from it". Eine The Runners Of 1984 - EP von 1980 / 81 zeichnet
sich durch militärische Metaphern in den Songtexten aus. In „Back
of our minds" heißt es: „In the back of my mind, I'm a soldier.
I'm fighting to live my own way". In „For the cause": „Only
soldiers die young. There's a time to fight and a time to run". Begleitet
wird dies von „military style drumming" (Robert). Somit gehen entscheidende
Charakteristika von Death In June auf Patricks Einfluß zurück.
Um den Bandnamen ranken sich viele Versionen. In einem Interview mit dem rechten US-Magazin The Fifth Path behauptet Douglas: „I misheard something Patrick said and my version was DEATH IN JUNE. We all immediately knew that was the name. (...) It had a variety of connotations, all of which were pertinent to us at the time". Immer wieder nach der Bedeutung gefragt, wurden die drei in anderen Interviews deutlicher:
Tony W.: „If you read modern history, you will get the significance."
Patrick: „The name comes from a very important date in 20th century history, which had a special meaning and interest for us all."
Douglas P.: „DEATH IN JUNE came about purely by chance and then we
realised the ‚significance'. (...) It does refer to a specific event when
‚man' decided to go one way instead of another."
Nun, welches historische Ereignisse in der Geschichte war mit einem „Tod im Juni" verbunden, als die „Menschheit" sich dazu entschloß, diesen und nicht jenen Weg zu gehen?
Es war die sogenannte „Nacht der langen Messer", die Ausschaltung der SA durch Hitlerdeutschland im Juni 1934. Wie kommen drei linke Jugendliche auf die Idee, diesem Ereignis eine derartige Bedeutung zukommen zu lassen?
Erinnern wir uns: mit dem Ende von Crisis waren Tony und Douglas völlig
enttäuscht von „der" Linken. Doug im Zillo-Interview: „Anfang der
80er waren Tony und ich sehr engagiert in linksradikaler Politik und nebenbei
Geschichtsstudenten. Auf der Suche nach einer zukünftigen politischen
Perspektive stolperten wir über den nationalistischen Bolschewismus,
der sich wie ein Leitfaden durch die Hierarchie der SA zog. Leute wie Gregor
Strasser und Ernst Röhm, die später als die „zweiten Revolutionäre"
bekannt wurden, fielen uns auf. Die Tatsache, daß sie im Juni 34
gestürzt wurden, hat wohl den Verlauf der Geschichte und die Entwicklung
der Humanität entscheidend verändert. Man kann sich fragen, ob
Röhm im Falle eines Sieges über Hitler den 2. Weltkrieg verhindert
hätte" (Zillo Mai 1992). Das ist starker Tobak. Klarer kann der
politische Bruch, den vor allem er und Tony damals machten, nicht beschrieben
werden.
Die Frage, was passiert wäre, wenn die Führungsspitze der SA nicht im Juni / Juli 1934 auf Hitlers Befehl hin ausgeschaltet worden wäre, ist reine Spekulation. Die Frage aber, wen bzw. was sich Herr Pearce hier als politisches Vorbild, als „zukünftige Perspektive" herausgesucht hat, nachdem ihn „die" Linken so maßlos enttäuscht hatten, läßt sich hingegen historisch eindeutig beantworten. Die SA (Sturmabteilung) wurde im August 1921 gegründet und war in den 20er Jahren der Weimarer Republik Hitlers persönliche Schutztruppe und als solche an seinem Aufstieg entscheidend beteiligt. Doch die SA war nicht nur verantwortlich für die Sicherheit Hitlers, sie hatte auch den Auftrag, politische Gegner mit Terror zu bekämpfen und Veranstaltungen von solchen zu sprengen. Die berühmten Saalschlachten der Weimarer Republik bei sozialdemokratischen und kommunistischen Versammlungen dieser Zeit gingen ebenso auf das Konto der SA wie der Straßenterror dieser „braunen Bataillone". Ideologisch war die SA mit dem Nationalsozialismus, der später die halbe Welt in Flammen setzte und das europäische Judentum vernichtete, in den meisten Punkten konform. Auch die SA war von einem tiefen Antisemitismus geprägt. Die SA war nicht minder nationalistisch wie Hitler und sah sich dazu berufen, die heimliche militärische Aufrüstung Deutschlands im Bruch mit internationalen, völkerrechtlichen Bestimmungen, die aus dem ersten Weltkrieg resultierten, zu vollziehen. Sie entwickelte sich im Laufe der 20er Jahre immer mehr zu einem Staat im Staate. Wie kam es also zur Ausschaltung der SA im Juni 1934 und der Hinrichtung von Röhm Anfang Juli 1934?
Ernst Röhm war seit 1931 Kommandant der SA, er überzeugte das Militär (Reichswehr) dazu, die SA mit Waffen zu versorgen - Teil von Deutschlands heimlicher Wiederbewaffnung Unter Röhm wuchs die Zahl der SA-Angehörigen von 100 000 (1931) auf fast drei Millionen (Dezember 1933). Röhm zielte darauf, die Reichswehr durch die SA zu ersetzen. Hitler betrachtete den Auftrag der SA, die politischen Widerstände zu brechen, allerdings als erfolgreich erledigt an und tendierte eher zur Abwicklung. Er zögerte dennoch lange mit einer endgültigen Entscheidung. Göring und SS-Führer Himmler drängten Hitler jedoch zu einer Entscheidung, behaupteten Röhm und seine Kameraden in der SA planten einen Putsch und Sturz Hitlers. Am 30. Juni 1934 wurde Röhm mit seinen Leuten am Tegernsee festgenommen. Sofort gab es Exekutionen, aber Röhm selbst wurde noch einige Tage ins Gefängnis gesteckt, wo er Gelegenheit haben sollte, sich selbst zu erschießen. Da er dies jedoch verweigerte, wurde er von seinem SS-Wächter erschossen. In diesen Tagen wurde Hunderte von SA-Leuten exekutiert.
Im Sounds - Interview 1985 sagte Douglas P. dazu: „Our interest doesn't come from killing all opposition, as it's been interpreted, but from identification with or understanding of the leftist elements of the SA which were purged, or murdered, by the SS. That day is extremely important in human history... They were planning execution or overthrow of Hitler, so he wouldn't be around. We'd be living in a completely different world, I should imagine... It's fascinating that a few people held the destiny of the world and mankind in their hands for those few hours and let it slip, and it could've gone either way." und: „When we first formed we were investigating fascism, no bones about that. It's interesting to see what this tainted ideology which has been so powerful had to say in the beginning..."
In diesem Zusammenhang erklärt sich dann auch, weshalb das Jahre
später aufgenommene Stück „Brown Book", welches nichts
anderes als eine Neuvertonung der SA-Hymne („Horst-Wessel-Lied" plus erwähnte
Samples) darstellt, im Falle Death In June's kein Marsch ist, sondern eine
Art Trauergesang. Hier drückt sich nichts anderes aus als die Trauer
über die Ausschaltung der SA.
Die erste Veröffentlichung unter dem Namen Death In June war die 12" „Heaven Street", geschrieben von Douglas wenige Tage nach der Auflösung von Crisis. Veröffentlicht wurde es auf dem neugegründeten, Death In June-eigenen Label NEW EUROPEAN RECORDINGS (NER).
„Heaven Street" knüpft an „Kanada Kommando" von Crisis
an. Beschreibungen von grauenhafter KZ-Realität, ohne etwas zu beschönigen
oder auch zu werten. „Die Straße zum Himmel" nannten die Nazis zynisch
/sarkastisch den Korridor im Vernichtungslager Sobibor, der von dem Areal,
wo die Nazis die Selektion (Arbeit / Vernichtung) betrieben, zu den Gaskammern
führte. Im Text heißt es: „Take a walk down Heaven Street,
the soil is soft and the air smells sweet (...) The earth exploding with
the gas of bodies". Das ist noch keine affirmative Beschreibung, Bitterkeit
läßt sich zwischen den Zeilen (mit viel gutem Willen) herauslesen.
Auch die B-Seite bezieht sich auf die Nazi-Zeit, auf die Invasion Hitlerdeutschlands
in Rußland 1941, den „Drang nach Osten": „We Drive East" heißt
das Stück („Let loose from the leash, to hunt the Bolshevik beast
(...) For a Free Europe, we drive East").
2. Die Texte und die Symbolik
„For what do the lyrics actually say? The simple answer is, we can't
be certain" (Robert).
„Our subjects have a political significance, but in a much more oblique
way, we don't say, it's this or it's that, like the way CRISIS did"
(Douglas P. in einem frühen französischen Interview, nach: Robert)
„This ‚policy' of not unmasking the lyrics, which has continued to
this present day, has led to serious problems as numerous people and the
music press judged them on such a superficial level" (Robert)
Zillo: „Genießt du die Situation, daß kaum jemand in der Lage ist, deine Arbeit zu kategorisieren, geschweige denn, deine provokative Symbolik zu interpretieren?"
Douglas P.: „Natürlich, denn sobald man dich in eine Schublade
stecken kann, ist das meist dein Ende."
Die Single „State Laughter / Holy Water" von 1982 zeigt zum ersten
Mal den SS-Totenkopf, der zum Symbol der Band werden sollte. Oliv-farbenes
Cover mit einem goldenen Totenkopf in der oberen rechten Ecke. Dazu Douglas
P. im Sounds-Interview: „The identification for me in those elements
is like total belief, that's why I'm fascinated, y'know? I'm still searching
for total belief." Dem Zillo sagte er: „Der Totenkopf symbolisiert
für mich den totalen Glauben und die absolute Hingabe an mein Projekt.
Für mich gilt nur alles oder nichts." und an gleicher Stelle über
den Grund für die (alten österreichischen oder SS)-Uniformen:
„Die Uniformen - sie sind einfach schön und nebenbei stellen sie
eine direkte Verbindung zu dem Stück „Hidden Amongst The Leaves" her,
nämlich die der Tarnung" (Zillo Mai 1992).
Selbst Death In June wohlwollend eingestellte Leute standen dem distanziert gegenüber. Mick Mercer schreibt in einem Konzertbericht: „Now Death In June aren't Nazi, but the image unsettles just as much as the smoke. I found no delight in a short-sleeved shirt, black tie and side drum played with proud head held high."
Und sogar Robert schreibt in seinem liebevollen Death In June-Buch „Misery & Purity":
„I was taught to never judge a book by its cover, even so I must
admit that my first reaction was that this dressing up was far more than
a uniform fetish".
1983 erscheint die Mini-LP „The Guilty Have No Pride". Dies bezieht
sich auf den angeblich mangelnden Stolz der Europäer, den DIJ beklagen,
denn „I think European culture is the most important in the world and
it's threatened by other principal cultures, for example American, Soviet.
Whereas it has so much to offer: we should be proud of it" (Douglas
P.
in Grim Humour #2). Auf dem Cover wird der SS-Totenkopf erstmals mit der
Zahl 6 (für Juni) kombiniert. Der Opener „Till The Living Flesh
Is Burned" bezieht sich wieder auf die SA und die „Nacht der langen
Messer": „The once proud brownshirt now stained by / Engineers of Blood,
Faith and Race". Wie oben beschrieben entbehrt eine solche SA-Weißwäscherei
jeglicher historischer Grundlage.
3. Schwule Nazis?
Douglas Pearce ist schwul. Viele werteten das als schlagendes Argument
dafür, daß er kein „Nazi" sein könne. Doch schon sein „Vorbild"
Ernst Röhm beweist das Gegenteil. Ein aktuelleres Beispiel ist der
schwule, mittlerweile verstorbene, ehemalige FAP-Führer Michael Kühnen.
Und Douglas gibt mit dem Verweis auf die Samples in „Brown Book"
(siehe Abschnitt II.1.) selbst den Hinweis auf Schwule in SA und SS. Von
nazistischem Männlichkeitskult und Männerkameradschaften zum
Schwul-sein ist es manchmal nur ein kleiner Sprung - trotz der Ermordung
so vieler Homosexueller im NS.
4. Brüche
Politische Richtungswechsel und Konflikte bestimmten sehr früh
das Geschehen bei Death In June. Anfang 1984 steigt Tony Wakeford aus bzw.
wird herausgeschmissen (je nach Blickwinkel und Quelle). Hintergrund soll
gewesen sein, daß Tony zum damaligen Zeitpunkt zu rechts (!)
für Douglas war. „Our bassist Tony had right-wing leanings, but
we felt that was his business and as long as he kept it like that it'd
be okay. But he started to bring it into the group and we couldn't have
that, we're not like that" erzählt Douglas P. dem Sounds im Juli
1984.
Tony Wakeford sagte dazu in einem späteren Interview in F.I.S.T.:
„And to be honest I could have been more sensible with some of the things
I was associated with at the time (...) I personally could have been more
sensible about things and the whole image as well".
Als Abschied von dieser ersten Phase, in der ein Großteil der Songs von Tony war, war die Veröffentlichung des restlichen Materials auf der „Burial"-LP 1984.
Der erste Song ist „Death Of The West" von Tony, ein Song den
er später wieder mit Sol Invictus einspielen sollte. Hier singt Douglas:
„They're making the last film / They say its the best / And we all helped
make it / It's called the Death of the West". In „Sons Of Europe"
wird man noch deutlicher: „Sons of the West have grown weak / The American
dream has sent you to sleep / Sons of Europe sick with liberalism / Sons
of Europe chained by capitalism / Sons of Europe make very shure / You
don't burn in the Wall Street war". Dieser „europäische Nationalismus"
prägt auch „Fields", ebenfalls von Tony, wenn es heißt:
„No more wars amongst brothers". Dies bezieht sich auf die Bombardierungen
von Coventry durch deutsche und von Dresden durch alliierte Bomber: „Dresden
burning in the night, Coventry is still alight". Hier wird einerseits
das Feindbild „Amerika" aufgebaut, andererseits die europäische Einheit
beschworen. Der Song „Black Radio" („From Prague to Berlin /
The message beaming in / The Hammer and the Sword / Take them they're yours")
erschien später auf der „New Horizons" Compilation-Kassette
unter dem Titel „Some Of Our Best Friends Live In South America".
Ein Hintergrund für die Anspielung könnte sein, daß es
bekannt ist, daß viele Nazi-Größen nach dem Krieg nach
Südamerika gegangen sind. Robert sieht's als Beweis für den Humor
der Band.
Tony Wakeford schlug dem F.I.S.T.-Magazin gegenüber andere Töne an: „The Nazis are more interesting than the communists. They had better uniforms. That did not make me a card carrying member of the Nazi Party. We became immersed in it. It was a very powerful thing. It gets its power from being a taboo subject" und auch Patrick sagte: „There was a lot of misunderstanding about DIJ, but at the same time some of the nastier rumours were true...".
Nach Tony's Weggang / Rausschmiß ging die „faschistische Thematik" zunächst zurück, es folgte die sogenannte „Nada!"-Periode.
Auf der 7" / 12" „She Said Destroy" taucht erstmals ein neues
Logo auf, das sogenannte „whip hand"-motiv - ein (Leder-) Handschuh mit
einer Peitsche in der Hand. D.P. in T.M.F.H.: „In English there's an
expression ‚to have a whip hand' which signifies to be in control, in command!
That's one of the reasons why I used it. It also reflects a sado-masochistic
image! It marked a new beginning and a particular period for DIJ".
Die Texte werden persönlicher, der politische Hintergrund geht zunächst
zurück. In den Auslaufrillen der „Nada!"-LP ist eingraviert:
„No sense makes sense". David Tibet (Current 93) führt Douglas
in die Welt Aleister Crowley's ein, doch Doug beginnt sich mehr für
nordeuropäische Magie und Runen zu interessieren.
Trotz der relativen Zurückhaltung in den Texten dieser Phase war
Patrick 1985 nicht mehr einverstanden mit dem Konzept von Death In June.
Nachdem Tony aus Douglas Sicht zu rechts geworden war, war Patrick das
Projekt auch nach Tony's Weggang / Rausschmiß „zu rechts", jedenfalls
in den faktischen Auswirkungen:
„Als Death In June durch die Verwendung von Nazi-Symbolen einen zweifelhaften Ruf erhielten, verließ Wakeford 1983 die Band, nach den Aufnahmen zur ‚NADA!'-LP tat es ihm 1985 Patrick O' Kill gleich, um sein Projekt Sixth Comm aus der Taufe zu heben" (Zillo 9 / 1993).
Dazu Patrick: „Während meiner Death In June-Periode war ich
ein sehr depressiver und menschenfeindlicher Charakter (...) DIJ reflektierte
und akzentuierte diese Eigenschaften (...) In der Band zu sein, war für
eine gewisse Zeit eine Katharsis für mich, aber es gab einen definitiven
Punkt, wo ich sehen konnte, was ich war und was ich geworden bin. Ich mochte
das nicht mehr. Die Leute sahen uns als Rassisten und Faschisten. Unsere
Konzerte waren für einige Leute eine heilsame Angelegenheit. Viele,
die uns später verdammen würden, standen da und schauten uns
mit Entzücken zu. Diese Leute würden das nie zugeben, also wurden
wir zur Verkörperung ihrer Schuld und Vorurteile. (...) Ich wurde
von einer unglaublichen Scham ergriffen und haßte mich selbst. Auf
einer sehr offensichtlichen Weise teilte mir mein Unterbewußtsein
mit, daß ich nicht mehr mit Bildern spielen sollte, die symbolisch
für so viel Leid waren. Ein spezieller Vorfall führte dazu, daß
ich Death In June verließ. Wir hatten gerade ein Konzert in Bologna
absolviert und verließen die Bühne, als sich uns eine junge
Frau näherte und schrie: ‚Ich hoffe, deine Mutter haßt dich!'
Wir trugen SS-Tarnuniformen in einer Stadt, in der rechtsradikale Terroristen
gerade viele Menschen umgebracht hatten. Ich schämte mich vor mir
selbst und verließ Death In June nach der Tour" (Zillo 9 / 93).
Sixth Comm, Patricks Nachfolgeprojekt nach dem Verlassen von Death In
June, bezog seinen Namen dann auf das sechste Gebot: „Du sollst nicht töten".
Daß er nichts mehr mit menschenverachtenden Ideologien zu tun haben
will, ist glaubwürdig, macht ihn in gewissen Kreisen aber nicht beliebter.
Die rechte Zeitschrift Sigill aus Dresden, die sich aus großen Death
In June-Verehrern zusammensetzt, schrieb diffamierend: „...eine traurige
Gestalt. Als er Death In June verließ, setzte sein Geist aus, bis
heute ist er wohl geistig tot!". Dies zeigt auch, daß gewisse
Death In June-Fans die Band nicht trotz, sondern wegen ihres
rechten „Images" verehren.
Nach Patricks Ausstieg erhalten Runen Einzug auf den Platten-Covern,
z. B. auf der „Come Before Christ And Murder Love" - 7" / 12" von
1985 und der „The World That Summer" -Doppel-LP von 1986.
5. Elitedenken: Wir sind die guten 7%
Douglas beschritt also trotz Patricks Kritik weiter den eingeschlagenen Pfad. Der Enttäuschung über die Linke folgte „konsequenterweise" eine grundsätzliche Enttäuschung von der Menschheit. Soweit dies nur in einem gesunden Mißtrauen besteht, ist dagegen nichts einzuwenden, etwa wenn Douglas dem F.I.S.T. (#5) sagt:
„Basically I see humanity as a seething mass of insanity that has to be kept in check. It's not basically good" oder in einem französischen Interview: „The masses have always frightened me". Wenn aus solchem Mißtrauen eine Abwendung von der Menschheit und damit einhergehend von der Menschlichkeit wird, paart sich das aber offensichtlich schnell mit einem Elitedenken: „We want to appear not to be like the rest of the sheep..." (Sounds - Interview 1984). Er interessiert sich für Nietzsche und zieht sich auf einen kleinen Kreis von Mitmenschen zurück: „I realise that I couldn't change other people, only myself and those close to me. That was the end of the matter (...) I'm not wasting my life on these people". Auch dagegen ist zunächst nichts einzuwenden, niemand ist gezwungen, sich mit jedem abzugeben. Doch bei Pearce wird dieser Kreis zu einer Gemeinschaft, in der offensichtlich kein Widerspruch geduldet ist. Er zeigt Interesse an In The Nursery, mit denen er auf Tour war und 1984 auf der Compilation „From Torture To Conscience", veröffentlicht auf Pearce' Label New European Recordings (NER), vertreten ist. Doch In The Nursery wollten sich indirekt von Pearce-Nazi-Tick distanzieren, indem sie ihren Beitrag „Iskra" (nach Lenin's gleichnamiger Zeitung) nannten.
Damit ist eine weitere Zusammenarbeit für Douglas sofort gestorben. D. P. dazu im Glasnost Interview (1992): „I have no interest in dealing with other people that didn't become part of the ‚family'".
Hier offenbart sich dann ein Denken, welches nur noch ein „drinnen" oder „draußen" zuläßt. Kritik wird so von vorneherein verunmöglicht, weil es nur noch „Freunde" oder „Feinde" gibt.
Und „drinnen" ist dann die „Avantgarde", der Rest besteht aus Schafsherden.
Solch ein Denken offenbart sich auch in Vorwürfen gegen Kritiker:
„Tatsächlich wundere ich mich oftmals darüber, wie schnell
Leute aufspringen und aus einer ‚Ich bin mehr wert als Du'-Position heraus
mit Steinen um sich schmeißen. Ich hasse sie! Du beurteilst doch
kein Buch nach dem Umschlag. Für mich sind solche Leute nicht besser
als Rassisten oder Sexisten. Was war also am Faschismus so falsch? Wahrscheinlich
hätte man sich aller entledigen sollen. Immerhin machen diese Leute
wohl 93% der Bevölkerung aus" (Zillo Mai 1992). Hier schlägt
das Elitedenken in eine faschistische Position um, wenn indirekt suggeriert
wird, der Faschismus hätte zu wenig Menschen umgebracht.
IV. Die politische Variante:
„The swirling sound of swastikas, like rotor-blades of
thought, threshing the wheat out from the chaff" (Death In June - Lifebooks,
1994)
1. Vereinnahmungen
„Vieles sprach gegen eine Fortdauer Death In Junes, wie Mißachtung
durch Presseorgane, aber auch eine fehlende Enthüllung und Darstellung
unsererseits. Inzwischen hat die Idee eine eigene Lebenskraft angenommen"
(Zillo Mai 1992)
Das kann man wohl sagen! Vor dem Hintergrund eines rechten Kulturkampfes bekommt die ganze ohnehin längst angekratzte „Zweideutigkeit" des Projektes eine klare Schlagseite. Denn neben den Fans, die ihre Lieblinge verteidigen, da sie KEINE „Nazis" seien, bekam Death In June im Laufe (vor allem der 90er Jahre) immer mehr Zuspruch von wirklichen Nazis.
Das „Spielen" mit NS-Symbolik war genau das, was die „Neue" Rechte an Death In June so anzog. Keine rechte Organsiation hätte sich getraut, ein Hakenkreuz zu verwenden: Death In June taten es. Ausgerechnet auf der MCD „Rose Clouds Of Holocaust" (1994) prangte ein aus Hundeköpfen zusammengesetztes Hakenkreuz. Auch Death In June-Fan Zipo bemerkt in dem empfehlenswerten Magazin Auf Abwegen, daß Pearce damit „bewußt in Kauf (nimmt), rechte Sympathisanten an seine Musik heranzuführen. Erklärung (von Douglas) über das richtige Verständnis: ‚This sorts out the boys from the men...' Toll, nicht?! (...) der irreführende Titel des gleichnamigen Songs (der Schwulenverbrennungen im 3. Reich thematisiert) wird ebenfalls zur Mißinterpretation freigegeben". Auch ich bin es leid, haarsträubende Erklärungen, die nur noch als billige Ausreden daherkommen, zu lesen. Angeblich bezieht sich der Songtitel auf einen geschmacklosen Ausspruch David Tibets („Auschwitz by the sea!"), den dieser ausgerufen haben soll, als die beiden Zeugen eines Naturschauspiels (rosa Himmel, Schneeflocken) in Island wurden. Vielleicht hat dies Douglas tatsächlich auf die Idee zu dem Stück gebracht, vielleicht hat Zipo recht mit der These, es gehe um die homosexuellen Opfer im NS. Aber was hat das alles mit solchen Textzeilen zu tun?:
„Rose clouds of Holocaust, rose clouds of flies, rose clouds of bitter,
bitter, bitter lies". Auschwitzlüge trapst flapsig - „zweideutig"
in die Gehörgänge...
„And festivals end, as festivals must, from the hooded crows of Rome, to the falcons of Zagreb".
Die Separationsbewegung in Kroatien (Zagreb) betrachtet Pearce mit Symphatie
(siehe unten). Ist das also wieder Trauer, diesmal um die endenden „Festivals"
von Machtmenschen in Zagreb und Welt-Reichen (Rom)?
Death In June bekamen eine Vorbildfunktion für den ganzen „Kulturkampf", wurden Idole unzähliger (rechter) Epigonen, wie z. B. Albin Julius (Der Blutharsch), mit dem Douglas neuerdings zusammenarbeitet, z. B. auf dem 1998er Album „Take Care And Control".
Man könnte einwenden, das sei alles nur eine Art von Death In June-Rezeption, für die die Douglas ja nichts könne. Doch wie Zipo richtig schreibt, „greift hier ein altes, deutsches (hoho!) Sprichwort: wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus".
Und wenn Douglas wirklich nichts für all die „Mißinterpretationen" könnte: warum gibt er dann permanent rechten und rechtsradikalen Zeitschriften Interviews? Pearce fehlt jegliche Abgrenzung von seinen rechten Verehrern. In Deutschland gab er u. a. folgenden Zeitschriften Interviews: Europakreuz (13 / 1996), Junge Freiheit (3 / 97) und Sigill (Nr. 17, 1998).
An dem Riefenstahl-Sampler (1996) aus dem Hause VAWS war
man selbstverständlich genauso beteiligt wie an der ebenfalls von
VAWS veröffentlichten Compilation zu Ehren des NS-Bildhauers Josef
Thorak (1998).
„Interviews in einschlägig rechtsgerichteten Magazinen sowie
die Teilnahme am unsäglichen Riefenstahl-Sampler können wohl
kaum als unpolitische Aktionen durchgehen. Riefenstahl zu huldigen, auf
einem Sampler, der aus einer mehr als dubiosen Ecke kommt, ist einfach
nur blauäugig und unglaubwürdig. Demnächst wirkt er an einer
Compilation mit dem Titel „300 Jahre Adolf Hitler - ein wackrer Wandersmann"
mit, völlig unpolitisch versteht sich. That's not even funny..."
(Zipo).
Von solchen Positionierungen begeistert nahm sich dann auch selbst das Nazi-Bonehead-Blatt Rock Nord dem Thema Death In June an (Nr. 26, 1997).
Konzerte machen Death In June in den letzten Jahren auch nur noch mit
Gesinnungsgenossen:
Boyd Rice, Der Blutharsch, Fire &
Ice usw. usf. Wenn dann auch noch die Veranstalter selbst aus der rechten
Ecke kommen, dann ist es kein Wunder, wenn sich auch das Publikum auf solchen
Veranstaltungen immer mehr (rechts) homogenisiert.
2. Annäherungen: Der Kroatien-Tick
„My little black angel as years roll by, I want you to
fly with wings held high, I want you to live by the justice code, I want
you to burn down freedom's road" (Death In June - Little Black Angel, 1992)
1992 gaben Death In June als erste britische Band seit Ausbruch des Bürgerkrieges in ex-Yugoslawien ein Konzert in Zagreb (Kroatien). Bei diesem Anlaß besuchte Douglas Pearce das Hauptquartier der kroatischen HOS-Miliz. Dazu sagte er dem Sigill (Nr. 17, Herbst 1998) u. a.:
„Zum zweiten möchte ich anführen, daß das Hauptquartier
der Kroatischen Verteidigungskräfte in Zagreb im alten Lickum-Club
aufgeschlagen wurde, der vor dem Krieg einer der größten Schwulenclubs
der Stadt war. Gerüchten zufolge, soll der damalige Kopf der HSP (Partei
der Kroatischen Rechten) auch schwul sein. Diese Gerüchte fesselten
mich natürlich". Dies ist wieder eine typische Pearce-Argumentation:
kein Wort darüber, daß sich die HOS-Miliz in der Tradition der
Ustascha sieht, jener Mörderbande des mit Nazi-Deutschland verbündeten
Kroatiens, welches übrigens eigene KZ unterhielt, in denen vor allem
Sinti & Roma, JüdInnen und SerbInnen inhaftiert waren. Seine Verklärung
geht weiter:
„Interessant zu wissen ist auch, daß keiner der Kroaten, die der Beteiligung an Kriegsverbrechen bezichtigt werden, Mitglied bei irgendwelchen kroatischen paramilitärischen Streitkräften außer der kroatischen Armee war" (Sigill Nr. 17).
Dies ist eine Verharmlosung dieser nationalistischen und militaristischen Einheiten und der gesamten Tradition, in der sie stehen. Pearce Interesse am kroatischen, nationalem „Befreiungskampf" wird im Europakreuz-Interview (März 1996) noch deutlicher. Auf die Frage, ob er in Kontakt mit der HSP oder anderen kroatischen Parteien oder Gemeinschaften stehe, antwortet er:
„DIJ besuchten das HSP/HOS-Hauptquartier, als sie noch eines hatten und waren sehr beeindruckt. (...) Tudjman und die HDZ haben versucht, die Wichtigkeit der HOS oder der internationalen Schwarzen Legion oder anderer Gruppen, die Kroatien beim Freiheitskampf unterstützten, herunterzuspielen". Hier wird der scheindemokratische, „rechtskonservative" Tudjman offensichtlich von rechts kritisiert! Gleiches gilt für die UNO, wenn Pearce sagt:
„Es ist ein Fakt, daß die UN und besonders Großbritanienund
Frankreich dort waren, um die Geländegewinne der serbischen Chetniks
zu stärken! (...) Öl oder nicht Öl, die UN handeln nur für
Eigeninteressen. Sie sind die schlechtesten von allen Lügnern und
Täuschern". Bei aller berechtigten Kritik an den UN (z. B. die
Dominanz des Westens im UN-Sicherheitsrat) ist die Sprache verräterisch.
Pauschal die UNO als „Täuscher" und „Lügner" zu
verdammen, ist typisch für „neu" rechte Verschwörungstheorien,
welche die UNO als von „finsteren Mächten" beherrschtes Gremium betrachten.1993
erscheint die in Kroatien eingespielte CD „Something Is Coming - Live
And Studio Recordings From Croatia", welche das kroatische Nationalwappen
auf den CD's trägt und dessen Erlös einer Militärklinik
in Kroatien zugute kam. Vor dem Hintergrund der hier nur auszugsweise zitierten
Symphatiekundgebungen von Douglas Pearce für die kroatische Bürgerkriegspartei
ist dies nicht mehr als rein humanitäre Hilfe anzusehen, sondern
muß als politische Überzeugungstat gewertet werden.
V. Die ästhetische Variante:
„Symbols of the sun, symbols of the sun, for those who
go beyond..." (Death In June - Symbols Of The Sun, 1994)
Eine - abgesehen von klaren politischen Positionierungen (SA, HOS-Miliz etc.) - entscheidende Frage ist, was in der Musik, den Texten und der Ästhetik überhaupt rüberkommt. Nach wochenlangem Death In June - Hören habe ich festgestellt, daß gerade die heftigsten Textzeilen - meist verpackt in die „poppigsten" DIJ-Stücke - im Kopf hängen bleiben. Es sind die zitierten Textzitate aus „Little Black Angel", aus „Rose Clouds Of Holocaust", aus „Runes And Men".
In Josef Thoraks Skulptur „Kameradschaft", der Death In June ihren Beitrag auf dem Thorak-Sampler widmeten, tritt ein (faschistischer) Männlichkeitskult zutage, bei dem mir einfach nur schlecht wird. Die Skulptur wurde für die Weltausstellung 1937 in Paris gegossen, um dort als Teil einer Gesamtinszenierung „Sicherheit, Stolz, Selbstbewußtsein, Klarheit, Disziplin und damit den Begriff des neuen Deutschland zu verkörpern" (Rittich, 1938). Im Zeitalter aufgebrochener Rollenklischees wird hier einem Männlichkeitsideal gehuldigt, welches glücklicherweise bereits auf dem Misthaufen der Geschichte liegt. Es würde den Rahmen dieses Artikels, der zu meiner Diplom-Arbeit zu werden droht, definitiv sprengen, das gesamte Output (grafisch, musikalisch, textlich) von Death In June ästhetisch zu analysieren und zu kritisieren. Ich kann aber nicht vergessen, daß ich beim Besuch des Death In June-Konzertes am xx. November 1998 im Bauch des Motorschiffes Stubnitz in Rostock den ganzen Abend das Gefühl nicht los wurde, hier würde eine nostalgische Veranstaltung stattfinden, die unseren im Krieg gefallenen Großvätern nachweint. Wie heißt es in „Runes And Men" zu Samples von NS-Reden und Akkustikgitarre: „When my loneliness closes in, so I drink a german wine, and drift in dreams of other lives and greater times" - den Zeiten der Runen und Männer.
Das ist Verklärung statt Kritik, bezogen auf eine Zeit, an der
es eigentlich nichts gibt, was nicht zu kritisieren wäre.
VI. Abschied
Skeptiker begleiteten Douglas Pearce' Hang zu Nazi-Ästhetik, - Symbolik und - Thematik schon immer. Schon um 1984 / 85 schrieb ein Mr Spencer bezüglich der „Nazi-Frage" in einem Review eines DIJ-Konzertes im Londoner 100 Club:
„Death In June are onto something interesting, but I keep my distance:
others suspicious by nature should do likewise." Ein in Roberts Buch
nicht näher zugeordneter Text aus einem Fanzine formuliert: „...
so DIJ if you aren't fascist quit pissing around with the image, it's dangerous,
childish and putting a lot of people off your otherwise great music...
it can stand on it's own two feet".
Mag ja sein, daß das verwirrende Konzept von Death In June mit
den vielen Interpretationsmöglichkeiten die Kunst interessanter
macht. Doch wie wir gesehen haben, ist diese „Politik" weder aufklärerisch
noch emanzipatorisch, sondern geschichtsklitternd, verklärend und
in letzter Konsequenz rechts.
Die Frage, die auch hier überbleibt ist, weshalb diese Musik mit
ihren reaktionären Inhalten so gut in unseren schwarzen Discos funktioniert.
Eine Frage an alle, auch an mich selbst, die die Musik von Death In June
mögen. Mir wäre es lieber, ich hätte in diesem Artikel nachweisen
können, daß Death In June NICHT rechts sind. Dann hätte
das Hören ihrer Musik nicht nur all die Tage des Schreibens an diesem
Artikel begleitet, sondern ich würde sie als DJ auch gerne auflegen.
So wie die Fakten liegen, werde ich dies auch in Zukunft nicht tun und
mich ähnlich wie mein Freund DJ van Hennsing, der mir seine Death
In June - Sammlung für diesen Artikel zur Verfügung stellte,
von dieser Band verabschieden.
Hin und hergerissen war auch ein anderer DIJ-Fan, Zipo von Auf Abwegen. Er kam zu dem gleichen Ergebnis. In Zusammenhang mit Pearce' Kooperation mit Strength Through Joy schreibt er:
„Songs wie Lullaby To A Ghetto sind Absagen an Revisionismus und
Verdammung der menschenverachtenden Greuel zugleich. Nur um dann mit dem
ganzen Kroatien-Brimborium vermischt zu werden, in dem Douglas P. heldenhaftes
Soldatentum als erotisches Motiv, Kroatien als spiritueller Quelle von
was weiß ich was und HOS-Symphatie verschmelzen läßt -
aua! Tut mir leid, aber da mache ich nicht mehr mit. Bei aller Bewunderung
für die Musik und die großartige Lyrik - irgendwo ist Schluß.
Was mir unverständlich bleibt ist, warum Douglas Pearce heute wieder
im Stechschritt auf jene Fraktionen zuläuft, von denen er sich zu
Ende der Achziger Jahre mit solch großer Anstrengung und Zorn distanziert
hat. Daß er dort mit offenen Armen empfangen wird, ist unangenehm
zu spüren".
Und Gitane DeMone, die Musik und Texte von DIJ mag, schrieb uns zum Thema:
„(...) Ich kann keine Handlung, keinen Act, keine Bewegung unterstützen,
die auf Unmenschlichkeit ausgerichtet ist, und ich bin schrecklich enttäuscht,
daß Musik, die mich anzieht, von so einer negativen Kraft unterstützt
wird Ich glaube, daß Douglas P. ein Provokateur ist, daß seine
Faszination, unmenschliche Aspekte in bestimmten Leuten herauszubringen,
ein wirklich krankes Experiment ist".
Im The Feverish - Interview sagte Douglas Pearce:
„Without DIJ I would have no reason for existence. The only thing
that could possibly replace it in life would be a love" . Wenn das
kein Vorschlag ist.
Bis dahin kommen wir nicht umhin, „sämtlichen rechten Spinnern
zu zeigen, daß sie hier, heute und jetzt nichts, aber auch gar nichts
verloren haben. Wenn dies bedeutet, sich von der ein oder anderen Combo
verabschieden zu müssen, dann muß das wohl so sein. Goodbye,
ladies and gentlemen, goodbye. Goodbye, goodbye. Bye, thank you. Good night"
(Zipo).
Bye, bye, hätte schön sein können mit Euch. Aber vergeßt
nicht, was David in „Daedalus Rising" so schön gesungen hat:
„To fail is human... do not weep"...
Bye, bye and thanx for all the fish.
DJ Kersten
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