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kommt es aus der Pistole geschossen, wenn die Berliner Produzentin und Musikerin Nora Below nach ihren intellektuellen Einflüssen gefragt wird. Ihr Lieblingsbuch: Psychologie des Rassismus von Mark Terkessidis. Die Dekonstruktion von Identitäts-/ Rollenzuweisungen ist ein zentraler Aspekt ihrer künstlerischen Ausdrucksformen: |
„Im popkulturellen Zusammenhang ist es üblich,
ein einziges Image zu forcieren. Diese Images sind streng nach Geschlechtern
aufgeteilt, überspitzen die gesellschaftliche Rollenverteilung noch.
´Imagewechsel´ sind zwar üblich, müssen allerdings
im vermarktbaren, dekorativen Rahmen bleiben. So erweist sich der popkulturelle
Zusammenhang, der vorgibt, freiere Lebensmodelle zu propagieren,
als Stütze herkömmlicher Rollenmodelle“.
Vor 8 Jahren begann Below mit der Entwicklung verschiedener Persönlichkeiten mit einem schillernden Eigenleben: Sie haben Namen, Biographie, schreiben Tagebuch und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Mittlerweile bilden ca. 30 Figuren ein Gesamtkunstwerk, das in Video- und Photoarbeiten gespiegelt wird. In Live-Shows treten sie in Erscheinung, wenn Below von der Punkerin zur Prostituierten, zum Schulmädchen, schwedischen Bauern, Transvestiten oder Landser mutiert, wenn mondsüchtige Braut, türkischer Boxer, Hexe, Skihase oder adlige Mittvierzigerin anfangen zu singen.
“Ich denke: Jeder könnte alles sein.
Es braucht nur ein paar Aneignungen, Klamotten,
Gestik, Sprache... und schon ist der Zauber geschehen: du gehörst
in eine andere Schublade.
Such dir deine Tagesmaske aus! Warum lebenslang
eine Geschlechtsmaske tragen? Oder eine Territorialmaske? Eine Klassenhaut?”
Seit 1998 baut Below als groovige New Wave-Elektrokünstlerin ("Hochhaus bei Mitternacht" (DeBug)) eine Brücke zwischen allen vorstellbaren Variationen elektronischer Musik, greift Einflüsse aus sämtlichen Genres auf. Ihre energiegeladenen Songs entfalten sich in einem komplexen Arrangement von eingängigen Basslinien, hypnotischen Industrialbeats und atmosphärischen Synthiesounds. Damit erschafft sie eine ganz eigene, verwunschene Soundwelt mit vielseitigem Gesang. Während jedoch Frauen im Pop meist der melodiöse Part zufällt, bricht Below mit diesen Grenzen: Jedes Stück hat drei bis fünf Gesangsspuren, die sich überlappen, ergänzen, unterbrechen. Eine jazzig-melodisch, eine andere brüllt verzerrt und aggressiv, dann eine piepsige Kinderstimme - sie übernimmt alle Rollen ihres Stückes.
“Das erste feministische Statement meiner Musik ist wohl, dass ich sie überhaupt mache. Dass ich es mir überhaupt zutraue”.
2002 stieß Below zum Berliner Avantgarde Technolabel
BpitchControl
und
arbeitete als Producerin und Sängerin mit
A. Krüger
(Der Dritte Raum, DR.DNA), Dirk Ivens (Dive,
Klinik, Sonar) und
Stop Disco Mafia zusammen.
“Aus dem technischen Part des Musikmachens wird
ein großes Geheimnis gemacht. Und zwar deswegen, weil es so einfach
ist. Wissen ist Macht!”
P. S.: Im Dezember wird es einen Auftritt von Nora Below in Bremen geben. Watch out for flyers und kreischt es weiter an eure Freunde!